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Letzter Schliff mit Mozart

Das Münchner Opernstudio ist wieder da: Premiere von „Così fan tutte“ im Cuvilliés-Theater

„Natürlich kennen wir in Korea das Münchner Opernstudio. Alle jungen Sänger möchten her.“ Ho-Chul Lee strahlt, denn er hat es geschafft. Seit 2007 gehört er zu den acht Auserwählten, die an der Bayerischen Staatsoper den letzten Schliff erhalten. Morgen präsentieren sie sich dem Münchner Publikum – Lee übrigens als Ferrando – in Mozarts „Così fan tutte“. Und dies in Münchens schönstem Theater, dem Cuvilliés-Theater. Denn, so berichtet Henning Ruhe, der junge Leiter des Opernstudios: „Der Ort wurde ganz bewusst ausgewählt, die Studio-Inszenierung wird wie eine ganz normale Staatsopern-Produktion behandelt.“

Nachwuchsförderung auf hohem Niveau ist, seit Kent Nagano 2006 sein Amt als Generalmusikdirektor antrat, wieder Chefsache. Unter seiner Federführung wurde das Opernstudio, das seine Wurzeln in den frühen Sechzigerjahren hatte, reanimiert. Auch Intendant Nikolaus Bachler widmet dem Mini-Ensemble große Aufmerksamkeit: „Einmal im Monat treffen wir ihn und können alle unsere Fragen loswerden“, berichtet Tara Erraught. Die 22 Jahre junge Irin wurde von Henning Ruhe aus den Absolventen des Wiener Belvedere-Wettbewerbs im vergangenen Sommer herausgefischt. Sie singt die Despina in der „Così“ und schwärmt von den kleinen Rollen, die sie unter großen Dirigenten im Nationaltheater bereits singen durfte, von der Probenarbeit und den Gesprächen mit renommierten Kollegen. „Ich lerne unglaublich viel und darf zwei Jahre bleiben.“

Da man nie genug Personal haben kann, leistet sich „Così“-Regisseur Tobias Kratzer zwei Despinas gleichzeitig auf der Bühne. Mirela-Ioana Bunoaica stammt aus Rumänien und erfuhr von ihrer Lehrerin in Bukarest vom Opernstudio. Die 24-Jährige bewarb sich und ist „sehr stolz, in München zu sein. Ich genieße jeden Moment hier“.

Der Regisseur freut sich, dass er Mozarts und Da Pontes „Schule der Liebenden“ mit einer Crew „im Originalalter“ inszenieren kann. Diese Voraussetzung wie auch der Wunsch, mit der Produktion auf Gastspielreise durch bayerische Lande zu gehen, animierte ihn, das ganze, von Eugene Tzigane dirigierte Liebesdurcheinander auf einem Campingplatz anzusiedeln.

Bayernweit unterwegs war die Nachwuchsabteilung der Staatsoper auch früher schon. Nach dem Start als „Junge Oper“ wurde daraus 1967 unter der Intendanz Günther Rennerts das Opernstudio. Ziel war es von Anfang an, „fertigen“ Sängern den Weg in die Professionalität zu ermöglichen. Prominente Absolventen waren Brigitte Fassbaender, Daphne Evangelatos, Violeta Urmana, Deon van der Walt oder Kevin Conners. Im Opernstudio, das in der Ära Sawallisch von Staatskapellmeister Heinrich Bender betreut wurde, nahm man acht oder mehr Damen und Herren auf. Die große Wagner-Heroine Astrid Varnay war bis 2003 als Lehrerin für Stimmdramatik tätig. Gerd Uecker, mittlerweile Chef der Dresdner Semperoper, nahm die Abteilung 1988 unter seine Fittiche und blieb zuständig bis 2002. Da war das Opernstudio schon zum „Jungen Ensemble“ geschrumpft. Intendant Sir Peter Jonas sah sich gezwungen, das Unternehmen aus Kostengründen auf zwei bis vier Mitglieder zu reduzieren. Eigene Aufführungen waren da nicht mehr möglich.

Umso größer ist die Freude bei den jungen Sängern, dass die Münchner dem Nachwuchs weltweit wieder unter die Arme greifen. Allein drei der jetzigen Mitglieder kommen aus den USA. Henning Ruhe „entdeckte“ Angela Brower (Dorabella), Todd Boyce und Christopher Magiera (beide alternieren als Guglielmo) in einem sommerlichen Young Artist Program im Staate New York. „Wir erlebten hier zunächst einen Kulturschock“, gesteht Todd Boyce, der immer noch staunt, „dass es so viele Opernhäuser in Deutschland gibt“.

Die acht „Studiosi“ lernen nicht nur den Opernalltag an einem Musentempel kennen, sie werden auch noch weiter unterrichtet: Gesang, Schauspiel, Rollenstudium, Körpertraining und Sprachen (in dieser Saison Deutsch und Italienisch) stehen auf ihrem Stundenplan. Auch Laura Nicorescu (Fiordiligi) ist glücklich, dass sie nach Studien in Bukarest und am Salzburger Mozarteum aufgenommen wurde. Sie sang in der Staatsoper bereits das Taumännchen in „Hänsel und Gretel“ und einen der fliegenden Engel in „Palestrina“. „Hier in München habe ich gesehen und gespürt, wie man auf einer großen Bühne arbeiten muss. Jetzt trau’ ich mich und fühle mich bestens vorbereitet.“

Premiere

am Donnerstag, alle Vorstellungen sind ausverkauft.

von Gabriele Luster

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