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Manfred Zapatka spielt am Residenztheater Phil Hogan in O’Neills „Ein Mond für die Beladenen“. (Archivbild)

Premieren-Interview

Manfred Zapatka: Wieder in München

Manfred Zapatka spricht im Premieren-Interview über „Ein Mond für die Beladenen“, schwere Zeiten, Theater und Film.

Manfred Zapatka gerät bei seinem späten Mittagessen ins Plaudern übers Essen allgemein. Früher habe er viel gekocht, „die längsten Rezepte im Kochbuch haben mich gereizt“. Bevorzugt vor Premieren, „was soll man auch vorher anderes tun?“ Jetzt aber habe er keine Zeit mehr dafür. Heute steht der 66-Jährige, der kürzlich den Bayerischen Fernsehpreis für seine Rolle in „ KDD – Kriminaldauerdienst“ erhielt, mit Anna Schudt in Eugene O’Neills „Ein Mond für die Beladenen“ auf der Bühne. Alexander Langhoff inszeniert am Münchner Residenztheater das Stück um den alten Hogan und seine kraftstrotzende Tochter.

- Es ist lange her, dass Sie auf einer Münchner Bühne zu sehen waren...

Zehn Jahre. Ich habe schon gar keine Erinnerung mehr, was ich hier zuletzt gespielt habe.

- Warum kehren Sie gerade jetzt und mit diesem Stück zurück?

Ganz einfach: Man hat es mir zum Lesen gegeben, und es hat mir sehr gefallen. Eine gesellschaftliche Schicht, die sonst nicht vorkommt in Stücken, steht hier im Mittelpunkt. Diese Pächter sind ganz arme Leute, die kämpfen jeden Tag. Vater und Tochter haben ein sehr spezielles Verhältnis. Das hat mich interessiert; ich habe selbst zwei Töchter. Hogan steht mit dem Rücken an der Wand und will’s nicht glauben. So ein Scheitern kennen viele Leute. Es ist ein Stück für diese Zeit, deshalb habe ich zugesagt.

-Wie begreifen Sie diesen störrischen Hogan und seine raubeinige Tochter?

Diese Verhältnisse sind gelebte Anarchie. Da heißt es: keine Kirche, aber warum nicht Gott, wenn’s hilft? Kein Geld, aber warum nicht ein guter Whiskey? Die Figuren, die ja auch in anderen Stücken O’Neills vorkommen, gehören zu einem riesigen Überbau des Autors. Ein Gedanke wird zu einer Figur, das hat etwas Existenzialistisches. Nicht umsonst hat O’Neill fast die ganze antike, griechische Dramatik aufgearbeitet. Es ist, als habe er eine Lupe über alles gelegt: Wer ist das darunter? Ah, Hogan und seine Tochter. Das ist groß gedacht, mit diesen kleinen Menschen, die ja immer komisch sind oder seltsam, wenn man von oben auf sie schaut. Wenn sie jeden Hügel für wichtig halten, während sie so dahinkrabbeln. Ich schreibe mir meine eigenen Romane dazu, die ich dann wieder wegschmeiße.

-Sie machen sich eine Materialsammlung?

Wenn ich nicht weiterkomme, schreibe ich ein paar Blätter voll, mit ein paar Zeichnungen. Das ist auch hilfreich, wenn man ein Stück wiederaufnimmt.

-Sie sagen, es ist ein Stück für diese Zeit?

Schauen Sie, ich bin in einer Zeit groß geworden, in der man nicht so wahnsinnig reich war. Meine Eltern wurden in Bremen ausgebombt, zogen nach Cloppenburg, vom ersten Geld baute man ein eigenes Haus. Wenn Sie um jeden Cent kämpfen müssen, ist der Ton rauer, es gibt heftigere Auseinandersetzungen. Man hat keine Chance, länger nachzudenken. Diese Härte des Lebens kommt selten vor im Theater . Mit ganz natürlichem Witz bringen die Figuren das hier auf den Punkt, ohne Schnörkel. Dass sie sich mögen, aber schwierig sind, wissen sie. Sie haben eine Symbiose, aber eben auch Sympathie füreinander.

O’Neill hat sich auf die Beschreibung einer bestimmten Form von Leben konzentriert. Wie auf einem Gemälde treten bei ihm die Menschen plötzlich heraus und werden plastisch. Er macht damit eine Tür auf zu den Themen.

-Fühlen Sie sich inzwischen eher vor der Kamera als auf der Bühne zuhause?

Mit dem Kino habe ich, noch an der Schauspielschule, 1964 angefangen. Es sind verschiedene Berufe, aber sie haben denselben Stamm, dieselben Wurzeln. Die Kamera lügt nicht, vor ihr braucht man nur zu denken, tut man es nicht, sieht man das. Im Theater muss man übersetzen. Ich fühle mich vor der Kamera sehr, sehr wohl, erwischt sie den richtigen Moment, ist er auf ewig festgehalten. Aber ich arbeite in beiden Bereichen gerne, gerade weil sie unterschiedlich sind.

-Wovon hängt es ab, ob sie gerade am Theater oder beim Film spielen?

Von den Stoffen. Manche sind einfach fürs Fernsehen oder fürs Kino gemacht. O’Neill ist Theaterstoff. Es kommt darauf an, wo etwas seine größte Wirkung hat.

-Kommt nach diesem Stück wieder ein Film?

Ja, aber darüber rede ich nicht, ich bin sehr abergläubisch. Plötzlich stirbt jemand, es ist kein Geld mehr da...

-Wie kam es, dass Sie vor zehn Jahren nach Berlin gegangen sind?

Meine Kinder waren alle dort. Und nach 20 Jahren in München bekam ich ein Angebot für die Berliner Schaubühne. Meine Frau meinte, ich sollte es annehmen. Wenn ich nicht so ein wilder Bursche gewesen wäre, wäre ich sicher hier geblieben. Andererseits ist der Wandertrieb für einen Schauspieler nicht schlecht. Neulich war ich mal wieder in meiner alten Ecke am Isartor essen. Ich muss sagen, dass München anderen Erfahrungen sehr gut standhält. Es ist eine sehr künstlerische Stadt. Und in den Isarauen zu laufen oder zu radeln liebe ich.

Das Gespräch führte Christine Diller

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