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Gabriela Montero.

Pianistin Gabriela Montero: Interview zum Konzert

Die Pianistin Gabriela Montero spricht über die Kunst der Improvisation, Musik für alle Sinne und den inneren Kampf im Konzert.

Die Kunst des Improvisierens ist zu einem Markenzeichen für Gabriela Montero geworden und sorgt bei ihren Solo-Abenden immer wieder für Überraschungen. Spannend dürfte es auch am kommenden Sonntag werden, wenn sich die Pianistin im Prinzregententheater mit dem Cellisten Gautier Capuon ihrer zweiten großen Liebe widmet: der Kammermusik.

Kann man Improvisieren üben oder sogar lernen?

Wahrscheinlich nicht. Aber für mich war das schon als Kind etwas ganz Natürliches. Ich wusste gar nicht, dass das etwas Besonderes ist und dachte, das macht jeder. Ich höre einfach eine Melodie und fange an zu spielen. Manchmal weiß ich selber nicht, was als Nächstes passieren wird. Aber schauen Sie, für einen Jazzmusiker ist das ein ganz normaler Teil seiner Arbeit, und zum Glück findet das jetzt wieder seinen Weg in die klassische Musik.

Gibt es auch Grenzen?

Sie wissen vielleicht, dass schon Skrjabin seine Musik als Erlebnis für alle Sinne aufführen wollte. Verbunden mit Malerei, Poesie und anderem. Das möchte ich auch. In der Zukunft sind deshalb einige interessante Projekte geplant, auch im Multimedia-Bereich. Es gibt noch so viel, was man beim Improvisieren anstellen kann.

Reagiert das Publikum noch immer überrascht, wenn Sie plötzlich um eine kleine Melodie bitten?

Inzwischen wissen die Leute, dass so etwas bei meinen Recitals kommt und freuen sich darauf. Man hat ja als Zuhörer nicht oft die Gelegenheit, selbst bei einem Konzert mitzuwirken. Und sobald der Erste aufsteht und singt, kommt der Rest ganz von selbst. Das Großartige am Improvisieren ist, dass es Musizieren für den Moment ist. Sehr spontan und kreativ, manchmal auch etwas verrückt. Vor allem aber gibt es keinen Vergleich. Und dadurch hat das Publikum das Gefühl, etwas Einzigartiges zu erleben.

Anders als beim klassischen Repertoire, wo es zahlreiche Referenzeinspielungen auf CD gibt.

Musik sollte kein Wettbewerb darum sein, wer die meisten richtigen Noten spielt. Man sucht immer nach der perfekten Version einer Bach-Partita oder Schumann-Sonate. Aber die existiert nun einmal nicht. Das ist reine Fantasie. Was existiert, ist der Künstler auf der Bühne, der durch die Musik seine Gefühle mit dem Publikum teilt. Musizieren sollte immer flexibel sein, sonst könnte man das ja auch von einer Maschine spielen lassen. Die intensivsten Konzerte entstehen oft dann, wenn der Interpret einen inneren Kampf austrägt. Man kann sich nie zurücklehnen. Es braucht diese Spannung in einem drin.

Ist es alleine am Klavier leichter, so spontan zu sein?

Das ist unterschiedlich. Bei einem Orchesterkonzert fehlt mir manchmal die Interaktion mit dem Publikum. Aber ich liebe es auch, mit anderen gemeinsam auf der Bühne zu sein. Vor allem bei der Kammermusik. Mit so wunderbaren Kollegen wie Martha Argerich oder jetzt mit Gautier Capuçon zu spielen, ist für mich eine der schönsten Arten überhaupt, Musik zu machen!

Nach Ihren Improvisationen werden Sie nun auch „richtig“ komponieren.

Ich bin ein sehr kreativer Mensch und denke, dass das in Zukunft immer mehr Raum in meinem Leben einnehmen wird. Etwas zu Papier zu bringen und dann später zu hören, wenn es aufgeführt wird, ist ein unglaubliches Gefühl.

Viele Künstler schotten ihr Privatleben ab. Sie haben dagegen auf Ihrer Homepage sogar zu kleinen Konzerten „live from my livingroom“ eingeladen.

Ich war schon früher nie das Wunderkind, das bloß in seiner Musik lebt. Ich wollte den Menschen immer etwas geben und eine Verbindung zu ihnen aufbauen. Das Schwierigste an der Karriere ist die Einsamkeit. Und als Pianist ist man der einsamste Musiker von allen. Man steht meist völlig allein auf der Bühne, was bei anderen Instrumenten eher selten vorkommt. Diese unsichtbare Wand gefällt mir nicht, und deshalb versuche ich, sie immer wieder aufs Neue einzureißen.

Das Gespräch führte Tobias Hell.

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