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Sascha Schmitz alias Sasha (Archivbild vom 21.02.2009 beim ECHO in Berlin ).

Raus aus der Schmuse-Ecke

München - Sasha präsentiert sich im Circus Krone aufgeräumt und variantenreich

„Freddie Mercury für Arme“, grummelt der Kollege nebenan irgendwann und seltsam: Es klingt halb anerkennend. Denn auch die Sparversion von Freddie muss man erst einmal auf der Bühne überzeugend hinbekommen. Und Sascha Schmitz, berühmt geworden als Sasha, bekommt es im ausverkauften Münchner Circus Krone hin. Beim Tourneeauftakt präsentiert er sich in aufgeräumter Stimmung und offenkundig darauf bedacht, aus der harmlosen Schmusepop-Ecke zu entkommen, in die er am Anfang seiner Karriere gesteckt worden war.

Mit einfallsreichen, oft bewusst minimalistischen Arrangements entfernt er sich auch akustisch vom Klangbild früherer Tage. So klingt selbst der potenziell nervtötende Hit „I Feel Lonely“, nur begleitet von Schlagzeug und Ukulele, plötzlich recht erfrischend. Sasha variiert das Prinzip bei einigen seiner Lieder, und sein Plan geht auf. Das Publikum feiert ihn – nicht zuletzt, weil er sich offenkundig zum klassischen Allround-Entertainer mausern möchte und es ansatzweise auch schon recht erfolgreich praktiziert.

Sasha kommuniziert charmant mit dem Publikum, dirigiert geschickt die Stimmung im Saal und schafft es sogar, eine amüsante Stoiber-Parodie unterzubringen, ohne aus der Rolle zu fallen: „In nur, äh, zehn Minuten sind Sie schon im hinteren Teil des Konzerts, ohne auszusteigen.“ Die Fans goutieren zwar auch das neue Material erstaunlich euphorisch, aber die Höhepunkte des Auftritts sind natürlich die Hits von Sashas Alter Ego Dick Brave. Rockabilly macht immer Laune, und die nutzt Sasha strategisch klug, um damit Schwung für ein furioses Finale zu nehmen.

Und so fällt den wenigsten Besuchern auf, dass das alles sehr nett und kurzweilig ist – aber eben auch sehr kurz. Viel mehr als 80 Minuten sind es nicht, die Sasha da auf der Bühne steht – aber dass das Konzert ein solcher Erfolg war, mag gerade daran liegen. Viel mehr Substanz für einen längeren Abend ist letztlich gar nicht da.

Ob es eines Tages für mehr reichen wird, muss sich weisen. Den Ehrgeiz und den Willen, es zu schaffen, hat Sasha unbestreitbar.

von Zoran Gojic

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