Pinakothek der Moderne

Tragbare Kunst zum Umhängen

Dorothea Prühl ist eine der prägendsten Schmuckkünstlerinnen Deutschlands. Die Neue Sammlung widmet ihr eine eigene Ausstellung - nur für ihre "Colliers".

Colliers seien für sie Schmuck par excellence, bekennt Dorothea Prühl. Tatsächlich genießen viele ihrer Werke längst Museumsstatus, sind eingegangen in internationale Sammlungen. So auch in das Münchner Design-Museum Neue Sammlung in der Pinakothek der Moderne. In einer umfassenden Schau zeigt sie jetzt einzigartige Halsketten. Einzigartig, nicht weil es sich um sündteure Klunker handelt, sondern weil das Unikate sind, gewissermaßen Skulpturen zum Umhängen. Neben Gold und Silber verwendet Prühl also Stahl, Titan, Bein und viel Holz.

Aber keine Angst, "ich achte immer auf zumutbares Gewicht", sagt Prühl, die Frauen müssten sich "einfach nur trauen", die Stücke anzuziehen. "Sie müssen tragbar sein. Ich arbeite für die Menschen", betont die Designerin. Die "konkrete Anbindung" sei ihr wichtig. An die potenzielle Trägerin - und an die Natur. Denn aus der bezieht Dorothea Prühl die meisten Ideen. Das mögen die noch recht realistischen, witzigen "Frösche" sein (Silber) oder die abstrakten "Schwäne" (2005), bei denen sich Stahl-Stäbe zu Kreisen runden, um sich dann zu immer wieder anderen Wellen aufzuschwingen. Das kann der "Habicht" sein, dessen Dynamik in Ulmenholz gefasst ist. Prühl hat dieses Collier von 2006 nun der Neuen Sammlung geschenkt. Ihr Argument: Wo gibt es sonst noch eine dauerhafte Schmuck-Präsentation...

Die gute Beziehung zu München, zum Design-Museum, kam 1991 zustande. Direktor Florian Hufnagl war neugierig auf die Burg Giebichenstein in Halle, die Gestaltungsinstanz der DDR. Damals waren wir Münchner überrascht von deren spannenden Formideen. Und es gab eben ungewöhnlichen Schmuck zu entdecken.

Hinter ihm steckte Dorothea Prühl. Nicht nur als Schöpferin, sondern auch als Lehrerin. 1937 in Wroclaw (Breslau) geboren, brachte sie sich beim Kunststudium an "der Burg" das Handwerk selbst bei und arbeitete anschließend in der Industrie für Serienschmuck. Bereits ab 1966 lehrte sie an ihrem alten Institut und entwickelte mit Renate Heintze (1936-1991) neue Ausbildungsrichtlinien. Ab 1991 war sie Leiterin, ab 1994 Professorin (bis 2002) der Burg Giebichenstein Hochschule für Kunst und Design Halle. Und jetzt frischt sie den München-Kontakt auf.

Simone Dattenberger


14. März bis 17. Mai, Telefon: 089/23 80 53 60.

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