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Susan Boyle - der neue britische Superstar?

Video: Susan Boyle, die Nachfolgerin von Paul Potts

Paul Potts hat eine Nachfolgerin: Die Schottin Susan Boyle verblüfft in einer britischen Casting-Show - und ist über Nacht zum Star geworden.

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Sie war kaum auf der Bühne, da hatten sich Publikum und Jury schon ihr Urteil gebildet. Diese Susan Boyle (47) muss an Selbstüberschätzung leiden, war auf den ungläubigen Gesichtern im Saal abzulesen. Eine Frau mit Doppelkinn, breiten Hüften, einem eckigen Gesicht und unmodernem Kleid träumt von einer Karriere als Sängerin und hofft bei der britischen Casting-Show „Britain’s got Talent“ auf ihre Entdeckung. Genervte Blicke bei der Jury. Kichern im Publikum. Und als Juror Simon Cowell, der Dieter Bohlen des Königreichs, auch noch voller Häme fragte, warum es wohl bislang mit der Karriere nichts wurde, hatte er die Lacher auf seiner Seite. Und dann fing Susan Boyle an zu singen.

Und verzauberte den Saal und Millionen Menschen an den Fernsehschirmen. Als Susan Boyle das Lied „I dreamed a dream“ aus dem Musical „Les Miserables“ anstimmte, rissen die Juroren die Augen auf. Ein paar Sekunden später brandete Jubel im Saal auf, die Menschen sprangen aus ihren Sesseln und brüllten vor Begeisterung. Juror Cowell lächelte selig verträumt, seine Kollegin Amanda Holden musste gegen die Tränen kämpfen. Erinnerungen an einen ähnlichen Auftritt vor zwei Jahren wurden wach. In derselben Show war damals ein Handy-Verkäufer namens Paul Potts erschienen.

Klein, untersetzt, mit schiefen Zähnen trat er an, um Opernsänger zu werden. Aus abschätzigen Bemerkungen der Jury wurde Begeisterung. Potts wurde Werbestar und tourt nun durch die Welt. Vielleicht hatte Jurorin Holden auch diese Überraschung im Kopf, als sie Asche auf ihr Haupt streute und sagte: „Jeder war gegen Dich. Wir sind alle zynisch. Das war der größte Weckruf aller Zeiten.“ Das Urteil der Jury war eindeutig: Das Erreichen der nächsten Runde stand außer Frage. Dabei war Boyle, die von sich selbst sagt, noch nie geküsst worden zu sein und schon als Kind wegen ihres Äußeren gehänselt wurde, mit ihrem Auftritt gar nicht so zufrieden: „Es heißt ja, Fernsehen lässt einen fett aussehen. Und das stimmt auch. Ich sehe aus wie eine Garage. Ich wusste nicht, dass ich Menschen zu Tränen rühren kann, und ich hoffe, das lag nicht daran.“

So wurde aus Susan Boyle aus dem Örtchen Blackburn bei Edinburgh, die bisher nur in Chören, Clubs oder Karaoke-Wettbewerben sang, über Nacht ein Star. Buchmacher handeln sie als Siegerin des Wettbewerbs, millionenfach wurde das Video des Auftritts angeklickt. Ein Verdacht besteht trotzdem: An Paul Potts hat nicht nur er selbst, sondern ein Konglomerat von Werbe- und Musikfirmen sowie Veranstaltern exzellent verdient. Möglich also, dass man eine zweite Karriere inszenieren wollte – um aus dem Schicksal „Hässliches Entlein wird Weltstar“ erneut Profit zu schlagen.

Von Thomas Pfaffe

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