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Ulf Schirmer, hier in der Münchner Herz-Jesu-Kirche, dem Aufführungsort von „Paradisi Gloria“, hat seinen Vertrag bis 2012 verlängert.

Münchner Rundfunkorchester

„Was wir sagen können: Es läuft“

Auf einen Nenner lässt sich das längst nicht mehr bringen, was das Münchner Rundfunkorchester alles unternimmt. So auch in der Saison 2009/2010, die eine Palette von der „Zwergerlmusik“ bis zur konzertanten Oper bietet.

Mit seiner programmatischen Vielfalt steht das Rundfunkorchester nicht nur in der Münchner, sondern auch in der deutschen Konzertlandschaft wohl einzigartig da. Da überrascht es nicht, dass Chefdirigent Ulf Schirmer, der Vielbegehrte und bald auch Generalmusikdirektor der Leipziger Oper, gestern seinen Vertrag bis 2012 verlängert hat. „Das Beste, was wir sagen können, ist: Es läuft“, kommentierte Schirmer auf seine hanseatisch-lakonische Art die Situation.

Zum Beispiel bei den CD-Firmen, die „Schlange stehen“. Oder bei den Abo-Zahlen, die etwa in der Reihe „Mittwochs um halb acht“ um 50 Prozent gesteigert wurden. Oder bei der Nachwuchsarbeit: 15 000 Kinder konnten in der vergangenen Saison in die Konzerte geholt und über Besuche in den Klassen 3000 Schüler erreicht werden.

Dass Schirmers leiser, freundlicher Ton darüber hinwegtäuscht, dass man es mit einem nachdrücklichen bis energischen Künstler zu tun hat, wurde auf der Saison-Präsentation auch deutlich. Er beklagte sich darüber, dass in den Nachwuchsprojekten oft nicht alle Schüler dabei seien: „Wir sehen uns nicht als vom Kultusministerium beauftragte Entertainer.“ Zudem hole er sich bei vielen zeitgenössischen Komponisten Körbe, wenn er um ein geistliches Werk für die Reihe „Paradisi Gloria“ bitte, während andere Tonschöpfer ihm gegenüber glaubten, dieses Genre für sich gepachtet zu haben: „Das finde ich impertinent.“

Immerhin läuft es hier um vieles besser als bei den Kollegen von Radio-Symphonieorchester Wien. Die stehen wie einst die Münchner kurz vor der Auflösung. Der ORF, so kritisierte Schirmer, komme seinem Bildungsauftrag nicht mehr nach. Dies sei mehr als bedenklich.

Auch dank Schirmers Wirken muss das hiesige Rundfunkorchester solche kulturfeindlichen Maßnahmen nicht mehr fürchten. Zumal sich manche Konzertreihen aus dem Klassikleben nicht mehr wegdenken lassen. Die Abende von „Paradisi Gloria“ bleiben in der nächsten Spielzeit zentrale Ereignisse. Ebenso die Sonntagskonzerte, in denen Schirmer mit „Paganini“ seinen Lehár-Zyklus fortsetzt, Verdis „Macbeth“ das Populäre bedient und mit Webers „Silvana“ und Haydns „L’infedeltà delusa“ eher Stücke aus dem Repertoire-Randbereich geplant sind. „Mittwochs um halb acht“ widmet sich Themenabenden wie „Haydn und die Esterházys“ (mit einem Vertreter der Fürstendynastie) oder „Filmmusik à la française“ mit Roger Willemsen. Das Projekt „Klassik zum Staunen“ gewährt Einblicke in die Probenarbeit oder macht mit den Werken auf eien Weise vertraut, die bei Jugendlichen ankommt.

Unter den Gästen der nächsten Saison finden sich Promis wie die Dirigenten Gerd Albrecht und Frans Brüggen, Countertenor Andreas Scholl sowie Mezzosopranistin Vesselina Kasarova. Dass die Philharmonie dabei nicht mehr als Spielort auftaucht, sondern hauptsächlich das Prinzregententheater, begründet Schirmer mit einer „Zentrierung“ der zahlreichen Aktivitäten. Und befragt nach einem möglichen, vom BR mitfinanzierten Marstall-Saal, lächelt der Chef ausgesprochen hintergründig: „Wenn der kommt, sind wir doch froh, oder?“

Informationen

www.br-klassik.de

von Markus Thiel

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