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Dr. Dirk Ippen, u. a. Verleger des Münchner Merkur und der tz.

„Zeitungen sind glaubwürdiger als andere Medien“

 Ist die Tagespresse ein Auslaufmodell? Nicht, wenn es um journalistische Qualität und regionale Themen geht, sagen Experten

Tageszeitungen waren mal die Superstars unter den Medien. Wer wissen wollte, was sich in der Welt tut, griff zur Zeitung. Was dort nicht stand, war gar nicht passiert, so einfach war das. Für die Tageszeitungen war das ein Paradies, doch sind sie daraus vertrieben worden. Spätestens seitdem das Internet blitzschnellen Gratis-Journalismus bietet, haben die Zeitungen zu kämpfen.

Den meisten Tageszeitungen bricht die Auflage ebenso weg wie das einträgliche Anzeigengeschäft, viele kämpfen gar ums Überleben. Landauf, landab erörtern deshalb kluge Köpfe die Zukunft der Blätter, wie beim „Stadtforum“ in der Stadtsparkasse München. „Keine Zeit für Zeitung – das Ende der Tageszeitung?“ lautete jüngst das Thema.

Jörg Schönenborn, WDR-Chefredakteur und Moderator des Abends, wollte wissen, ob denn wirklich ein Zeitungssterben drohe oder eher ein Wandel. Dirk Ippen, Verleger des Münchner Merkur und der tz, berief sich auf die alte Erkenntnis, wonach eine Mediengattung noch nie ganz ausgestorben sei: „Auch das Theater gibt es noch, obwohl es das Fernsehen gibt.“ Das sinnliche Erlebnis, durch eine Zeitung zu blättern, würden Leser auch künftig schätzen. Ippen verwies auf die 27 Lokalausgaben des Merkur: „Wir gehen hinein in kleine Einheiten, wie es kein anderes Medium kann.“ In Murnau habe der Web-Gigant Google keine guten Journalisten vor Ort – sein Blatt schon. Auch dies: „Zeitungen sind glaubwürdiger als andere Medien“, so Ippen.

Ulrich Brenner, Leiter der Deutschen Journalistenschule in München, gab sich skeptisch. Viele junge Menschen bräuchten die Zeitung nicht: „Die sind anders sozialisiert.“ Mit dem Internet gebe es ein Medium, das alles vereine: Zeitung, Radio, Fernsehen. Brenner: „Die Zeitungen werden es sehr schwer haben.“

Wolfgang Krach, stellvertretender Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung, widersprach dem: „Ich bin überhaupt nicht pessimistisch.“ Das Internet habe oft nichts mit gutem, überprüften Journalismus zu tun. Und die Zeitung sei ein modernes Medium. Sein Blatt habe sich völlig verändert: Statt Nachrichten bloß zu verbreiten, würden sie nun erklärt und eingeordnet in ihrer Bedeutung für den Leser. Darin sieht auch Bernhard Graff, Vize-Chef von sueddeutsche.de, die Hauptaufgabe. Auch im Web gebe es „ein unheimliches Interesse daran, informiert zu werden“. Um dem gerecht zu werden, brauche man bestens ausgebildete Journalisten.

Wolfgang Büchner, Chefredakteur von Spiegel online, warnte Verleger davor, an der Qualität zu sparen. Wenn der Bäcker nicht mehr als einziger Semmeln anbiete, dürfe er keine Billig-Backmischung anrühren. Gefragt sei vielmehr gute Markenware – und eine starke Präsenz in der Region.

Robert Arsenschek

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