Mode und Menschen

- Es ist die Jugend Europas, die still und unspektakulär die Besucher des renovierten und - ohne Kameratechnik - neu eingerichteten Fotomuseums im Münchner Stadtmuseum empfängt. Lichtbildner von Jitka Hanzlová´ bis Loretta Lux zeigen Kinder ohne Klischee, weder herzig noch cool, weder angepasst noch gewalttätig. Einmalig eben - das betonen diese Porträts. Sie sind Bestandteil der Ausstellung "Die Sammlung I: Das Porträt 1970-2000", die, auf drei Räume verteilt, das Wesen des Menschen auf der ganzen Welt erforscht: der Berühmte und der Debile, der Skurrile und der Normalo. Die Grenze von Dokumentation und Kunst ist hierbei ohnehin sehr durchlässig. Derartige Präsentationen aus den eigenen Beständen will das Museum im halbjährlichen Rhythmus bieten.

<P class=MsoNormal>Die zweite Eröffnungsschau, der ganz große Auftritt gebührt jedoch Regina Relang und ihren Modefotografien, ergänzt um einige Reportagen aus den 30er-Jahren - von Frauenarbeit in Portugal bis zu Hochzeiten auf dem Balkan. Es ist die erste umfassende Retrospektive ihres Werks, das das Stadtmuseum 1987 gekauft hatte. 1989 starb Relang in München. 1906 in Stuttgart geboren, wandte sich die junge Frau zunächst der Malerei zu, bis eine Leica sie zur Lichtbildnerei verführte. Relang erkannte, dass sie damit auch ihren Lebensunterhalt gut bestreiten konnte. So begleitete sie nach Kriegsende das Fräuleinwunder, nahm beispielsweise 1947 einen Chiffontraum in den Ruinen des Café´s Annast (heute Tambosi) am Hofgarten auf. Kleidung von Münchner Modemachern wurde von ihr genauso raffiniert in Szene gesetzt wie Kostüme von Elsa Schiaparelli in Paris oder ein Kleid von Barocco in Rom. </P><P class=MsoNormal>Chiffon in Ruinen</P><P class=MsoNormal>In der Schau begleitet der Besucher Regine Relang durch die Nachkriegszeit, die boomenden 50er-Jahre bis hin zu den teils geometrisch-strengen, teils blumig-flippigen Endsechzigern. Geschichte des Lebensgefühls in Bildern; Metamorphose der Frau vom fragilen Idealgeschöpf, das dem Alltag entrückt ist, bis zum energiegeladenen Dynamomädchen, das für die nächste Raumkapsel gerüstet ist. Und zugleich erzählt die Exposition von den ästhetischen Möglichkeiten der Modefotografie, die Relang vor allem in Schwarz-Weiß ausreizte. Aber auch die wenigen Farbbeispiele zeigen eine Fotografin, die Nuancen auskostete und sich hin und wieder spöttischen Humor erlaubte. So arrangierte sie 1958 - in geziert natürlicher Haltung - ein Modell in einem gnadenlos pinkfarbenen Faltenrockkleid, passend dazu ein Südwester und die Schühchen, vor einer bläulich-grauen Limousine und einem gleichgetönten Heizkraftwerk.</P>Relang: bis 7.8.; Porträts: bis 16.10.; Relang-Katalog, Hatje Cantz Verlag: 28,90 Euro; Tel. 089/ 23 32 23 38.

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