Mönch und Mord

- "Man sollte sein Leben nicht allzu persönlich nehmen." Mit dieser Erkenntnis bewaffnet schlägt sich Polonius Fischer durch seinen Alltag als Kriminalkommissar und die Untiefen der Münchner Gesellschaft. Auch seinem aktuellen Fall, dem Mord an einer unbekannten Frau in der Tiefgarage einer Mietskaserne, der auf subtile Weise mit dem Tod einer Nonne verknüpft scheint, nähert sich der einstige Mönch auf fatalistisch-demütige Art.

Doch das Klischee des einsamen Wolfs, der ermittelnd durch die Vorgartenidylle Bogenhausens und die Hinterhofhotels des Bahnhofsviertels streift, ist das einzige, dessen sich der neue Krimi "Idylle der Hyänen" von Friedrich Ani bedient.

Im HInterhof der Gesellschaft

Der Mord aus purem Vorsatz ist dem Münchner Schriftsteller als Basis für seine Geschichte viel zu wenig, den gemeinen Mörder sucht man vergeblich. Jeder Charakter ist auf seine Weise schwach, jeder in einem Leben eingesperrt, das mit einer verkorksten Kindheit seinen Anfang nahm und das eigentlich gar nicht gelebt sein will. Das gilt für die Menschen am Rande der Gesellschaft ebenso wie für all die oberflächlich ehrenwerten Bürger in ihren piefigen Wohnungen.

Dabei stellt Ani psychoanalytische Satzfetzen kunstvoll an die Seite alltäglich-makabrer Situationen, versteckt Tragödien hinter banalen Dialogen und lässt immer wieder die Frage aufblitzen, wie viel Leben der Mensch aushalten kann.

Stakkatoartige Perspektivenwechsel und Zeitsprünge nehmen den Leser mit auf eine Reise in die Seelen von Täter und Opfer und zerstören dabei radikal das Wunschbild von einer Harmonie stiftenden Gemeinschaft. Anis zentrale Themen sind Isolation und Einsamkeit, umrahmt von zerrütteten Familienverhältnissen und aktueller Zeitgeschichte. Hoffnung geben einzig die biblischen Anspielungen und Zitate, die den gesamten Roman wie einen roten Faden durchziehen. Bemerkenswert die fantasievolle Bildersprache, die die zwei parallel verlaufenden Erzählstränge zu zwei Morden verknüpft.

Die Fragen, mit denen sich der Leser konfrontiert sieht, und die das gängige Wertesystem unterwandern: Was ist ein Mord, der Gutes wollte? Und: Kann ein Mord Selbstmord sein?

Friedrich Ani: "Idylle der Hyänen". Paul Zsolnay Verlag Wien, 349 Seiten; 19,90 Euro.

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