Molly Moon will Harry Potter Konkurrenz machen

- München - Nach Harry Potter soll jetzt das Waisenkind Molly Moon den Kinderbuchmarkt erobern. Der Debütroman der Britin Georgia Byng über den märchenhaften Aufstieg vom armen Mädchen zum Musicalstar mit Hilfe der Hypnose kommt fast zeitgleich in 25 Ländern heraus.

 "Wir würden uns natürlich sehr freuen, wenn wir mit "Molly Moon" ähnliche Resonanz fänden wie Harry Potter (Carlsen Verlag), aber die Figuren sind doch sehr unterschiedlich", sagte eine Sprecherin des Hanser Verlages in München. Die Startauflage von 15 000 "Molly Moon"-Exemplaren, die am kommenden Montag (10. Februar) in den Buchhandel kommen, zeugt auch von einer gewissen Vorsicht.<P>In Großbritannien, wo die Originalausgabe ("Molly Moon's Incredible Book of Hypnotism") im vergangenen Mai erschien, sprachen Kritiker bereits von einer würdigen Nachfolgerin für Potter-Erfinderin Joanne K. Rowling. Auch die Filmrechte gingen für eine sechsstellige Summe an den Produzenten der Harry-Potter-Filme.</P><P>Doch der Vergleich hinkt: Byng ist nicht Rowling und Molly Moon nicht der Zauberlehrling. Tatsächlich erinnert die Waisenhausgöre eher an eine Mixtur prominenter Figuren aus der Kinderliteratur. Sie hat ähnlich magische Fähigkeiten wie Harry Potter, besitzt die Abenteuerlust von Pippi Langstrumpf, aber sie verkörpert auch jene Moral und Menschlichkeit, die in den Werken von Charles Dickens ("David Copperfield", "Oliver Twist") enthalten ist.</P><P>In "Molly Moon" beschreibt Byng, wie die einsame Tagträumerin zum Star am Broadway in New York wird. Das Waisenkind kann zwar nicht zaubern, hat sich aber mit Hilfe eines uralten Buches heimlich die Kunst der Hypnose beigebracht. Und plötzlich ist in dem spartanischen Waisenhaus von Hardwick nichts mehr so wie es einst war.</P><P>Molly, von anderen Kindern als "Sumpfauge" verspottet, setzt die Hypnose auf vielfältige Weise und mit großem Sinn für Humor ein: Mit ihrem fesselnden Blick und ihrer magischen Stimme befreit sie den Mops Petula von seinen üblen Launen, lässt die dicke Köchin Edna nur noch italienische Köstlichkeiten zubereiten und die Leiterin des Waisenhauses - die garstige Mrs. Adderstone - plötzlich vor Freundlichkeit und Fürsorge triefen. Und Molly steckt sich immer höhere Ziele: Sie will trotz dünner Stimme einen Talentwettbewerb gewinnen, ihren von einem amerikanischen Paar adoptierten Freund Rocky wieder finden, und sie muss sich gegen den zwielichten Professor Nockman zur Wehr setzen. Von dem wird sie sogar gezwungen, Diamanten aus einer schwer bewachten Bank zu rauben.</P><P>Das 352 Seiten starke Buch ist zwar in erster Linie für Mädchen und Jungen ab etwa zehn Jahren gedacht. "Molly Moon" wird aber sicherlich auch viele Erwachsene in den Bann ziehen.</P><P>Lady Georgia Byng, Jahrgang 1966, stammt aus einer schottischen Adelsfamilie und ist die Tochter des Earl of Strafford, lebt aber durchaus bodenständig. Sie war zeitweise allein erziehend und schlug sich unter anderem als Kinderbuchillustratorin durch ("ich hatte elf Jahre lang absolut keinen Erfolg"). Heute lebt sie mit ihrem Mann, dem Künstler Marc Quinn, und ihren zwei Kindern in London.</P><P>Unumstritten ist ihr Erstlingswerk aber nicht. Nach Ansicht von Kritikern sind die Methoden, um in Trance zu fallen, viel zu detailliert dargestellt. Britische Hypnose-Fachgesellschaften haben Eltern davor gewarnt, dass deren Nachwuchs nach Lektüre des Buches die beschriebenen Techniken anwenden und Klassenkameraden willenlos machen könnte. </P><P>Solche Befürchtungen bezeichnete Byng in der britischen Presse als absurd: "Wie kann jemand ernsthaft glauben, dass Kinder durch das Lesen meines Buches lernen könnten, Menschen zu hypnotisieren? Das ist ja so lächerlich, als wenn man sagen würde, Kinder dürften nicht mehr auf Spielplätze gehen, da sie durch das Schwingen und Schaukeln dort in Hypnose fallen könnten."</P>

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