Moment des Glücks

- Alles begann mit Orpheus, dem legendären Sänger der griechischen Mythologie. Er steht schon im Zentrum der ältesten überlieferten Oper, die sich heute noch auf den Spielplänen findet, dem "Orfeo" von Monteverdi. Weit weniger bekannt dürfte dagegen die Vertonung des gleichen Stoffes durch Joseph Haydn sein, die am Samstag im Münchner Akademietheater ihre Premiere feierte. Anders als in Monteverdis Oper oder später bei Gluck ist den Protagonisten in Haydns "Orfeo ed Euridice" ein kurzer Moment gemeinsamen Glücks vergönnt, ehe die Tragödie schließlich ihren Lauf nimmt.

Selten gespielter Haydn

Ein Glück, dem Regisseurin Eva-Maria Höckmayr in ihrer Diplominszenierung jedoch nicht so ganz über den Weg zu trauen schien. Schon zu Beginn sprudelte hier dunkelrotes Blut über den Boden und ließ so bereits den Selbstmord Euridices vorausahnen. Denn eine Schlange gibt es hier ebenso wenig wie den Fährmann Charon oder den über die Unterwelt herrschenden Pluto. Für Nebenfiguren ist kein Platz in dieser Produktion, die das Stück auf ein intimes Kammerspiel zurechtstutzte, das als einzige Figuren Orfeo und Euridice kennt. Selbst der Chor ist nur ein Spiegelbild des Paares, das besungene Naturidyll lediglich in ihrer Fantasie präsent.

Der Zuschauer blickt in einen nüchternen, nach hinten schmal zulaufenden Raum, weiß gekachelt, in dem sich das Drama abspielt. Neben Robert Sellier der die anspruchsvolle Partie des Orfeo mehr als beachtlich meisterte, gelang es dabei vor allem Monika Lichtenegger als Euridice, sich mit ihrem markanten, in fast allen Lagen sicher geführten Sopran ins Zentrum des Abends zu spielen. Die Idee, ihr auch die Rolle des Genio zu übertragen, ging zwar nur bedingt auf, bot dafür aber zumindest der Sängerin eine weitere Arie, um ihr Können unter Beweis zu stellen.

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