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Schmetterlingstanz: Szene aus „Momix Botanica“.

Münchner Philharmonie

"Momix Botanica": Wo Flora und Fauna tanzen

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München - Die Natur als Quelle der Inspiration: "Momix Botanica" von Choreograph Moses Pendleton gastiert in der Münchner Philharmonie.

Pflanze, Tier und Mensch – alles, was wächst, blüht, krabbelt, trippelt und flattert, ist Inspiration für Moses Pendleton. 1971 – er ist gerade mal 22 – Mitbegründer, Tänzer und Choreograph des Pilobolus Dance Theatre, bleibt er der Truppe künstlerisch verbunden. Ruft 1980 seine eigene Compagnie Momix ins Leben. Ein Tausendsassa. Schon in seinen Jugendjahren inszeniert der Farmerssohn aus Vermont die Milchkühe der Familie für eine Landwirtschafts-Ausstellung!

Natur und Show sind auch das „Yin und Yang“ seiner jüngsten Produktion „Momix Botanica“, die jetzt in der Münchner Philharmonie Station macht. Tannen an Berghängen, romantisch gekräuseltes Laubgezweig, rostrotes Felsgestein im Hintergrund projiziert, während auf der Bühne fünf Damen mit zwei braun-und-goldgelben federigen Fächern zu Sonnenblumen mutieren, Paare zu tänzelnden Zentauren zusammenwachsen, die zehnköpfige Truppe sich zu einer in sich wurmig bewegten Pyramide hochtürmt und gegen Ende, bestückt mit blättervollen Ästen, ein tanzverliebtes Wäldchen mimt.

Tanz kommt diesmal erstaunlich viel vor, vom equilibristischen Pas de deux bis zu den hingefetzten klassischen Sprüngen seiner durchweg topfitten Tänzer. Technisch grandios präzise ist die illusionistische Nummer isoliert tanzender Körperteile. Scheinbar losgelöst vom Rumpf schweben Hände, Arme, Beine durch den nachtschwarzen Raum, verschmelzen zu surrealen Max-Ernst-Formen und schwimmen munter wieder als Einzelteilchen davon.

Mit solchen Effekten erinnert Pendleton an den großen Alvin Nikolais, der bereits in den Fünfzigerjahren kinetische Energie als abstraktes Farben-und-Formen-Spiel choreographierte. Wie Nikolais – leider musikalisch weit weniger inspiriert als dieser – bringt Pendleton Objekte dazu, ein tänzerisches Eigenleben zu entwickeln. Sehr schön das Solo, in dem ein „Träger“ das auf seinen Schultern befestigte Segel mal schmal, mal breit aufgefächert, bis zum Bühnenhimmel tanzen lässt. Pendleton schreibt also auch die Performancekunst der legendären Loïe Fuller (1862–1928) und ihrer Schmetterlingstänze fort. Mit der heutigen Technik des Live-Videos kann er seine beiden Fahnen-Schwinger auf der Projektionsleinwand noch verdreifachen. Fuller hätte es sicher toll gefunden.

Weitere Vorstellungen an diesem Samstag, 15.30 Uhr und 20 Uhr. Karten an der Tageskasse.

Von Malve Gradinger

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