Ausstellung

"Wir wollen wieder wer sein!"

Die Monacensia widmet Liesl Karlstadt, Bally Prell und Erni Singerl eine Hommage.

Erni Singerl: Kesser Soloauftritt der Münchnerin.

Die eine leis’ und gefühlvoll, die andere fesch und frech, die dritte schüchtern und bodenständig. So verschieden Liesl Karlstadt (1892-1960), Erni Singerl (1921-2005) und Bally Prell (1922-1982) auch waren, sie waren die Münchner Volkskünstlerinnen der 50er-Jahre, die starken Vor(st)reiterinnen für all die Entertainerinnen, Kabarettistinnen und weiblichen Comedians, die sich nach ihnen die hiesigen Theaterbretter erobern sollten.

Seit zwei Jahren liegen alle drei Nachlässe in der Münchner Monacensia. Nun haben die Leiterin des Hauses, Elisabeth Tworek, und der Kurator Andreas Koll diese unter einer besonderen Fragestellung in einer Ausstellung vereint: Unter welchen Bedingungen und mit welchen Mitteln es diese drei Frauen geschafft haben, sich auf den Bühnen durchzusetzen.

Es liegt in der Natur der Sache, dass dies eine Schau der lachenden Gesichter ist. Doch so spielerisch ihre Aufmachung als Fundgrube der Vergangenheit, die den Besucher nicht zum schnellen Konsumieren, sondern zum schlendernden Verweilen einlädt (Gestaltung: Katharina Kuhlmann), auch gelungen ist, erst einmal heißt es, nachzudenken und nachzuhaken, bevor am Ende gefeiert wird.

Liesl Karlstadt: Pfiffiger Ladislaus.

Briefe, Notizen, Programmzettel, persönliche Gegenstände, fröhliche wie melancholische Töne: Sie säumen den Weg des Besuchers. Wir kennen Liesl Karlstadt als komische (Bühnen-)Partnerin Karl Valentins, doch wussten wir auch um die Depressionen, die sie seit 1935 bis zu ihrem Tod begleiteten? Wir haben Bally Prell als "Schönheitskönigin von Schneizlreuth" im Ohr, doch was ist mit der entscheidenden Rolle, die ihr Vater für diese Karriere spielte? Die Männerwelt, in der die drei Damen aufwachsen, sie bestimmt auch die volkstümliche Unterhaltung der 50er. Doch genauso dreist und selbstbewusst wie einst die zehnjährige Erni Singerl mit ihrem Akkordeon unter dem Arm den Bayerischen Rundfunk stürmte, so erstürmen sich Karlstadt, Prell und Singerl die Herzen ihrer Zuschauer: im "Platzl" und in der "Kleinen Komödie", im Rundfunk wie im Fernsehen.

Bally Prell: Schneizlreuther Schönheitskönigin.

"Wir wollen wieder wer sein!", steht über der Tür zu dem Raum, der sich nun ganz den drei Künstlerinnen widmet, vom rosaroten Kostüm der "Schönheitskönigin" bis hin zu köstlichen Filmausschnitten. Wunderbar komisch ist auch ein Zeitungsartikel, in dem die Karlstadt, in dieser Zeit fast eher als ihre Serien-Figur "Frau Brandl" bekannt, erklärt, sie habe sich "a kloans Biachl kauft, ‚1000 Worte Bayerisch‘" und nun lerne sie "die ganzen Flüche und Kraftausdrücke, die man für einen ‚zünftigen‘ Heimatfilm braucht". Wie nah Lachen und Weinen beieinander liegen, beweist ein Auftritt von Bally Prell auf dem Viktualienmarkt im Oktober 1956: Wie unsere Zeitung berichtete, weinten beim "Isarmärchen"-Lied einige Zuschauerinnen "und auch einige Schutzleute schnupften verlegen".

Eine stimmungsvolle Ecke unter der Treppe, der sich den privaten Rückzügen der drei Volkskünstlerinnen widmet, trennt sie schließlich wieder voneinander: in die Unternehmungslustige, die Kreative, die Häusliche. Jede hat einmal mit einer der anderen gespielt, doch eine gemeinsame Bühne hat ihnen erst die Monacensia geschaffen.

Bis 15. Mai 2009,

Mo.-Mi. 9-17 Uhr, Do. 10-19 Uhr, Fr. 9-15 Uhr, Eintritt frei. Tel.: 089/ 4 19 47 20. Katalog: 15,90 Euro.

Teresa Grenzmann

Rubriklistenbild: © Monacensia

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