"Monachia" wird aufpoliert

- Die Apparatur ist riesig. Wie eine zu üppig geratene Papyrusrolle sieht sie aus, auf deren Arbeitsfläche "ein Teil Piloty" zu sehen ist. Eben nur ein Teil des Leinwandschinkens "Monachia", der einst den Großen Sitzungssaal im Münchner Rathaus zierte.

<P></P><P>Denn das Dokument des bürgerlichen Selbstbewusstseins der Stadt mit seinen 128 Bürgerporträts hat das Format von 4,60 Metern Höhe und 15,30 Metern Breite. Carl Theodor von Pilotys Stadtgeschichte vom 12. bis zum 18. Jahrhundert wurde aufgewickelt wie ein Film, und zwar in einer Spezialkonstruktion des Restauratorenteams "Arbeitsgemeinschaft ,Projekt Monachia`", um dem Schaden Herr zu werden, den die personifizierte Darstellung Münchens genommen hat. <BR><BR>Anfang der 50er-Jahre wurde "Monachia" wegen Umbauten im Rathaus von der Wand genommen und in einer Transportrolle in den Außendepots des Lenbachhauses gelagert. Jetzt konnte man erste Einblicke erhalten, wie sich Petra Demuth und Isabella Thieme (seit August 2002) der Piloty-Politur angenommen haben: Am rechten Bildrand hat man bereits gewirkt. Trübungen der Bildoberfläche sind zum Teil behoben. Die Farbkraft strahlt schon wieder ein wenig. Und man freut sich über die rosige Haut eines Kindes auf den Armen eines schmucken Mannes in Uniform. <BR><BR>Thieme berichtet von Störleim und Weizenstärke als Zauberkleister, mit dem Leinwandrisse behandelt werden - Mikroskoparbeit. "Wellen im Ölbild", und sie zeigt auf großflächige Bewegungen, "lassen sich durch das Flexibelmachen der Leinwand glätten". <BR><BR>Diese "Nachspann-Operation" braucht gut ein Jahr. "Dann erst kann man sich den Malschichtverlusten und Verputzungen widmen", ergänzt Demuth. Die Rollenkonstruktion selbst garantiert ein schonendes Bewegen des Kunstwerks, um sich von Motivstelle zu Motivstelle vorzuarbeiten. Und damit das Restauratorenteam nicht in permanenter Krümmhaltung auf einer Brücke über dem Bildausschnitten arbeiten muss, lässt sich das Bild senkrecht aufstellen. <BR><BR>Gut zwei Jahre soll die Restaurierung dauern und etwa 360 000 Euro kosten. Die "Monachia" wird 2004 wieder aufgehängt. Bevor dies geschieht, muss ein Trockentest durchgeführt werden. Es gilt vor ab zu klären, wie "Herr Piloty" auf das Raumklima reagiert - und zwar sommers wie winters. <BR><BR>  </P>

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