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Eine Nacht im Rathaus, die Folgen haben könnte: Hannelore Herbst (Monika Gruber) und Andi Kaiser (Dieter Fischer) in „Der Kaiser von Schexing“ (BR).

Monika Gruber: „Auf dem Land isst man nicht nur Leberkäs‘“

München - Monika Gruber über neue Herausforderungen als Schauspielerin, Klischees über Bayern und ihr nächstes Programm. Ein Interview:

Am Abend zuvor ist sie in Köln bei der „Ladies Night“, einem „Damenkabarett“ des WDR, aufgetreten, gleich muss sie los nach Füssen zur Aufzeichnung der „Quatsch Comedy Show“. Und noch vor wenigen Wochen stand sie für den Kinofilm „Eine ganz heiße Nummer“ vor der Kamera, der nächstes Jahr in die Kinos kommt. Monika Gruber, Kabarettistin und Schauspielerin, ist gut im Geschäft. Und gerade beginnt sie sich im Fernsehen von den Rollen des Urviechs an der Seite von Günter Grünwald zu emanzipieren. In „Der Kaiser von Schexing“ (Bayerisches Fernsehen, heute, um 21.45 Uhr) startet die 39-Jährige in der Rolle der Braumeisterin Hannelore Herbst ihren Angriff aufs Rathaus, in dem bisher Bürgermeister Andi Kaiser (Dieter Fischer) einigermaßen unangefochten regieren durfte.

Wenn man sich Ihre schauspielerische Vita so anschaut, dann scheinen Sie ja auf dem direkten Weg zu sein von der Ulknudel zur Charakterdarstellerin...

Ich freue mich jedenfalls wahnsinnig, dass ich die Möglichkeit bekomme, mich schauspielerisch ein bisschen weiterzuentwickeln.

Und um den Imagewandel zu beschleunigen, haben Sie im vergangenen Herbst Knall auf Fall bei „Grünwalds Freitagscomedy“ und bei „Die Komiker“ hingeschmissen?

Das war nicht Knall auf Fall, auch wenn das von außen betrachtet so ausgesehen hat. Ich hatte schon länger das Bedürfnis, mal etwas anderes zu machen und nicht täglich dem Murmeltier zu begegnen. Und ich wollte nicht langfristig in die Kategorie „Kracherte bayerische Ulknudel“ einsortiert werden. Deshalb ist es mir so wichtig, auch mal so etwas wie „Schexing“ zu machen oder einen Kinofilm. Es stimmt übrigens auch nicht, dass ich aus den genannten Formaten ausgestiegen bin, weil ich mich mit Günter Grünwald nicht mehr verstanden hätte. Wir verstehen uns bis heute bestens. Aber auch wenn man gut zusammengearbeitet hat, hat man das Recht zu sagen: Jetzt reicht es!

Sie haben sich bei Franz Xaver Bogner von einer Neben- zu einer Hauptrolle quasi emporgearbeitet. Was würden Sie als das Besondere an seiner Art zu arbeiten bezeichnen?

Er lässt einem sehr viele Freiheiten, er lässt einem die Möglichkeit, etwas auszuprobieren, was nicht heißt, dass er nicht auch sagt, wenn er die Szene ganz anders haben möchte. Diese Freiheit führt dazu, dass die Rolle ein Teil von mir wird und umgekehrt meine Persönlichkeit als Schauspielerin die Rolle prägt. Und trotzdem ist diese Hannelore Herbst immer die Figur geblieben, die er von Anfang an im Kopf hatte.

Viele rühmen am Autor Franz Xaver Bogner die Fähigkeit, seinen Schauspielern Texte auf den Leib zu schneidern...

Er weiß halt einfach, wia d’ Leid redn. Wie’s bei den Bauern klingt, an den Stammtischen und in den Ämtern. Er kann einfach die Figuren durch die Art, wie sie sich ausdrücken, so skizzieren, dass man genau weiß, was er meint.

Bairisch ist ja – nicht nur durch Bogner – wieder sehr en vogue, gerade auch in Film und Fernsehen...

Gott sei Dank!

...inzwischen gibt es sogar eine tägliche Serie in bairischer Mundart, und der BR zeigt neuerdings Heimatkrimis, der jüngste spielte im tiefsten Niederbayern. Kritiker meinen, nicht alles sei so authentisch, wie die Macher meinen...

Es wäre halt schon schön, wenn in diesen Produktionen auch Schauspieler eingesetzt würden, die der bairischen Mundart mächtig sind. Da reicht’s nicht, sich – wie das Maria Furtwängler nach eigenen Worten für den „Räuber Kneißl“ gemacht hat – bei Langenscheidt eine CD zu bestellen und ein paar Mal beim Autofahren anzuhören. Dass das kein Bairisch war, hat man gehört. Es gibt weiß Gott genügend Schauspieler, die Mundart sprechen, auch junge, man muss sie nur auch finden wollen.

Manche beklagen auch nicht totzukriegende Klischees...

Zu Recht. Auch – oder gerade – auf dem Land läuft keiner mehr in Trachtenjanker und Haferlschuah umanand, man isst auch mal Sushi und nicht nur immer Leberkäs’, auch wenn viele Autoren und Regisseure das den Zuschauern weismachen wollen. Vor allem die Jüngeren auf dem Land sind rein optisch von den Jungen in der Stadt nicht mehr zu unterscheiden Die ziehen sich gleich an, die haben die gleichen Interessen, die haben auch ein Smartphone, die wollen genauso am Puls der Zeit sein wie jemand, der in Schwabing wohnt.

Apropos am Puls der Zeit – wenn man Ihnen die Rolle einer Kriminalkommissarin anbieten würde, würden Sie da Ja sagen?

Wenn das nicht so ein Gutmensch wäre, der die Welt besser machen will, sondern eine, die eher politisch unkorrekt ist, dann würde mich eine solche Rolle schon interessieren. Aber noch lieber würde ich eine Böse spielen, eine Männermörderin oder so etwas in dieser Art – das würde ich wahnsinnnig gern machen.

Wie geht’s mit dem Kabarett weiter?

Nächstes Jahr wird es ein neues Programm geben, für das ich bereits Stoff sammele. Der Titel steht schon fest, das Ganze wird „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ heißen.

Das klingt sehr nach einer Art Lebensbilanz...

Naja, nächstes Jahr steht bei mir ein runder Geburtstag an, in meinem Freundeskreis gibt es Menschen, die schwer krank geworden sind, es gibt die ersten Todesfälle in der Generation der Eltern – da denkt man sich schon: Das Leben ist so wertvoll und so verdammt kurz, man muss das Beste daraus machen. Ich darf mein Dasein nicht nur der Pflicht widmen und der Arbeit, ich muss mir auch Freiräume schaffen und die Zeit genießen. Das versuche ich zu tun – und davon, vom Mut, auch einmal einen Gang zurückzuschalten, handelt unter anderem auch mein neues Programm.

Das Gespräch führte Rudolf Ogiermann.

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