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Monika Gruber

Monika Gruber begeistert im Münchner Lustspielhaus

München - „S Gejd soj hoid ned varrecka“, hat die Mama gemeint – und deswegen baut die gehorsame Tochter ein Haus. Monika Gruber war mit ihrem neuen Kabarettprogramm „Wenn ned jetzt, wann dann?“ im Münchner Lustspielhaus.

Und wurde bejubelt wie eh und je. Denn auch bei Saunatemperaturen wie am Sonntag feuert sie ihre hinreißenden Sprech-Kanonaden genauso atemberaubend schnell ab, wie sie ihr Feuerwerk an funkelnden Ideen abbrennt. Manch einem bleibt kaum Zeit fürs Ahh und Ohh – und Oho. Denn die Gruberin geht weder den hehren Themen Liebe, Leben, Tod aus dem Weg, noch denen unter der Gürtellinie, noch Peinlichkeiten in allen Lebenslagen: inklusive dem „Zipfeklatscher vom Landratsamt“, sprich, dem Beamten für die Genehmigung des Plans.

Das Baustellen-Biotop, mit Bierbank, Leiter und mobilem Klo auf der Bühne angedeutet, ist für Monika Gruber das ideale Forschungsgebiet. Schließlich finden sich da seltsame Wesen wie der handfeste Spezi Tschako, der bierdurchtränkte Nachbar Alisi, der auch in selbigem Zustand mühelos fette Laster in Engstellen einfädelt, oder der wirre Dr. Meininger. Fehlen dürfen im Hintergrund weder Mama noch Papa genauso wie Handwerker (heute mit Bionade, früher mit Bier – und die Maurer waren „Chippendales mit einem anständigen Beruf“), der Homo-Freund und Freundin Karin, die mit bodschertm Gschau Männer einfängt. Kurzum, die Kabarettistin erschafft sich einen dramaturgisch locker gestrickten Einakter mit facettenreichen Rollen, und die spielt sie gleich alle selbst mit Leidenschaft und Hochgenuss. Weil’s Kabarett ist, mit diesem gehörigen Schuss Zuviel, der auf dem Brettl einfach dazugehört.

So wie sie die meisten Figuren punktpräzise und deftig zeichnet, steht Gruber in der Tradition etwa von Ludwig Thomas „Erster Klasse“. Mit ihrem Dr. Meininger stößt sie jedoch in die genial verschrobenen Zonen eines Valentin vor. Der von der Frau verlassene Jurist a.D. lässt sich auf der Baustelle täglich ein bissl Beton schenken und bringt ihn, zum Gugelhupf gebacken, zurück – verziert mit Sinnsprüchen à la „Carpe diem“ oder eben anders gesagt: „Wenn ned jetzt, wann dann?“. Auch solch philosophisch befriedete Eckerl findet Gruber auf ihrer turbulenten Baustelle. Mitunter haut sie die Bremse hinein, verblüfft die lachgeschüttelten Zuschauer mit Fragen wie: „Was ist der Sinn des Lebens?“ Wirkungsvoll lässt sie dann Beschaulichkeit das eigene Rede-Stakkato aushebeln. In dem haben rasende Wut und Sentimentalität (wunderbarer Exkurs übers Woana) genauso Platz wie das zarte Aquarell von Dr. Meininger – und Träume.

Visionär entführt uns am Ende Monika Gruber in die Einweihungsfeier des neuen Domizils samt Happy End für viele Paare, um schließlich im alten VW-Bus das Biotop der Freiheit zu suchen.

Simone Dattenberger

Nächste Vorstellungen am 28./29. September und 17./18.10. im Circus Krone, allerdings ausverkauft.

ZDF-Satire-Sendung für Monika Gruber

Monika Gruber hat ja schon bei Urban Priols und Frank Markus Barwassers/Pelzigs ZDF-Sendung „Neues aus der Anstalt“ sowie in „Grünwalds Freitagscomedy“ (BR) in den Gazetten geblättert und die Welt der Promis gscheit derbleckt. Jetzt bekommt die Kabarettistin und Schauspielerin eine eigene Satire-Sendung im ZDF am späten Dienstagabend. Damit will das Zweite sein Comedy- und Kabarett-Angebot erweitern. ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut gab nun bekannt, dass die 45-minütige Show im kommenden Jahr starten wird. Zehn Auftritte sind vorgesehen. Die Gruberin wird sich aber nicht allein über die Schönen und Berühmten lustig machen, sondern auch die Medien und deren Boulevard-Gehabe ihrer bairisch-beißenden Analyse unterziehen.

sida

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