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Eckart von Hirschhausen

Monogame Schnittblumen: Hirschhausen im Circus Krone

München - Eckart von Hirschhausens "Liebesbeweise" im Münchner Circus Krone.

Liebe – eine Sache des Herzens oder gar des Hirns? Nein! Dass zwei Menschen sich mögen, dass sie einander attraktiv finden (oder auch nicht) – alles Biologie, alles Chemie. Eckart von Hirschhausen geht das schönste aller Gefühle naturwissenschaftlich an, er stellt das uralte Thema einfach auf den akademischen Kopf und sorgt trotzdem spielend dafür, dass in seinem Auditorium das Dopamin literweise ausgeschüttet wird.

Listig ausgewählt ist schon der Titel seines neuen Programms, mit dem der gelernte Arzt und geborene Entertainer am Mittwochabend im ausverkauften Circus Krone gastierte. „Liebesbeweise“ – das klingt nach heißem Schwur und verrückter Tat, aber irgendwie auch nach Formeln und Kurven. Und genau so ist die Sprechstunde beim charmanten Doktor Hirschhausen auch aufgebaut, eine Sprechstunde, bei der gleich alle auf einmal drankommen, auch wenn nicht jeder was sagen darf (dafür aber in der Pause auf Karten schreiben).

Spezifische Vorkenntnisse braucht niemand, jeder kennt die „Krankheit“, über die hier doziert wird. Warum es wichtig ist, dass man sich gut riechen kann, welche Signale ein großes, dickes Auto aussenden kann, wie überbewertet Sex ist und warum bei der Partnerwahl am Ende immer die klügsten Frauen und die blödsten Männer übrig bleiben – kommt alles dran in dieser Vorlesung mit Musik (am Flügel: Martin Rosenberger). Weibliche und männliche Anatomie und limbisches System – wo’s passt, wird auch der Beamer eingesetzt, die Wandtafel des 21. Jahrhunderts.

Eckart von Hirschhausen ist eine Koryphäe der anspruchsvollen, mit Fakten gespickten Unterhaltung, er adelt auch nicht mehr ganz neue Sprüche vom Typ „Lebt der Mann ab, lebt die Frau auf“ zu wahren Lehrsätzen, und allein, wie er von Schnittblumen auf die serielle Monogamie kommt, ist einsame Klasse. Doch der Frank Sinatra des medizinischen Kabaretts will noch ein bisschen mehr, er will die Menschen glücklicher machen, ganz ohne Schmäh und mit viel Liebe. So gesehen, sind seine Auftritte gelebte Gesundheitsreformen. Sehr wirksam – und nicht so teuer.

Rudolf Ogiermann

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