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Traumziel oder Luftschloss Marstall? Das BR-Symphonieorchester will dort einen eigenen Konzertsaal einrichten lassen.

Podiumsdiskussion

Monokultur der Marstall-Gegner

Ein Konzertsaal für München: Die Akademie der Schönen Künste lässt debattieren – ohne BR-Vertreter

Ganz spät, als die Luft schon knapp wurde und das Bett lockte, hub es an, das Finale furioso. Und dies bezeichnenderweise nicht auf dem Podium, wo eine ehrenwerte Runde in professoraler Pose, oft auch mit bräsiger Selbstgerechtigkeit diskutiert hatte, sondern im Publikum. Was demonstrierte: Ja, die Debatte über einen Marstall-Konzertsaal taugt zum hitzigen Gefecht. Und die 120 Minuten davor? Allenfalls ein Austausch längst bekannter Argumente, ein Sich-selbst-Bekräftigen mit der einzigen Zielrichtung: München braucht keinen Marstall-Saal, sondern eine entkernte und rundum sanierte Philharmonie.

Wesentlich interessanter war da das Vorgeplänkel. Denn manches war schiefgelaufen, als die Bayerische Akademie der Schönen Künste zur Podiumsdiskussion in die Münchner Akademie der Wissenschaften geladen hatte – quasi auf Marstall-Sichtweite. Mariss Jansons, Chef des BR-Symphonieorchesters und vehementester Marstall-Fan, hatte abgesagt. Aus Zeitgründen. Und weil eine solche Podiumsdiskussion nicht unbedingt weiterbringe. Was verwunderte und ein Fehler war, hätte er doch allein mit seiner Präsenz dem Kollegen Christian Thielemann einiges entgegensetzen können.

Noch verwunderlicher aber war, dass Dieter Borchmeyer, Präsident der Akademie der Schönen Künste, keinen Ersatz aus BR-Kreisen für nötig hielt. Und Zwischenrufe, weshalb man Kurt Faltlhauser vom Marstall-Verein nicht gefragt hatte, damit beantwortete: Einen „Herrn Faltlhauser“, der mit seinem Offenen Brief den Akademie-Präsidenten beleidigt hatte, könne man nicht einladen. So viel zu gekränkten Eitelkeiten.

Auf dem Podium folglich eine Meinungs-Monokultur. Architekt Thomas Herzog demonstrierte anhand von Projektionen, weshalb der Marstall als „Gebäude für sich“ stehen müsse und daher keinen Anbau vertrage. Kunstminister Wolfgang Heubisch (FDP) erinnerte an die Konjunkturkrise sowie an Umbau- und Sanierungsprojekte wie Haus der Kunst, Gärtnerplatztheater oder Neue Pinakothek, weshalb die geschätzten 120 Marstall-Millionen „ein netter Wunsch“ seien. Auch Münchens Kulturreferent Hans-Georg Küppers hielt den Marstall-Saal für „kontraproduktiv“, das Geld sei „für andere kulturelle Dinge im Freistaat besser aufgehoben“.

Christian Thielemann, Generalmusikdirektor der Münchner Philharmoniker, fuhr fort mit der aus seiner Sicht legitimen und im munteren Klartext vorgetragenen Umarmungsstrategie: Sein Ensemble und die BR-Kollegen könnten doch problemlos in der Philharmonie unterkommen. Eine „Totaloperation bis zur Entkernung“ sei für den Gasteig durchaus denkbar. Und falls es zu Terminkollisionen komme, solle man Konzerte mit Mozart- oder Haydn-Besetzungen einfach in den Herkulessaal auslagern. Denn: „Was geschieht eigentlich mit dem?“

Wo so viel Einigkeit herrschte, sah man in der Reihe drei die Felle davonschwimmen. Dort, wo Mitglieder des BR-Orchesters mit Manager Stephan Gehmacher saßen, die zur Publikumsrunde verdammt waren. Gehmacher und Orchestervorstand Andreas Marschik bezweifelten heftig, dass eine Koordination zwischen beiden Ensembles funktionieren könne. Weltweit gebe es dafür kein vergleichbares Beispiel.

„Ergebnisoffen“ sollte der Abend verlaufen, hatte die Akademie der Schönen Künste angekündigt. Und Diskussionsleiter Jens Malte Fischer beteuerte gar, er könne keine Einseitigkeit auf dem Podium erkennen – was mit Gelächter aus dem Auditorium quittiert wurde. Nur Siegfried Mauser – Chef der Musikhochschule, Akademie-Mitglied und Marstall-Gegner – ließ sich zu einer versöhnlichen Wortmeldung hinreißen: Als „kleine Nestbeschmutzung“ müsse man „selbstkritisch“ schon beklagen, dass auf dem Podium kein Marstall-Befürworter sitze. Am 24. März übrigens lädt die Landtags-Fraktion der Grünen zu einer internen Anhörung. Mit einem ausgewogenen Teilnehmerkreis.

von Markus Thiel

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