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Bettina Mönch spielt im „Dschungelbuch“ des Gärtnerplatztheaters die Schlange Kaa – in einem 36 Meter langen Kostüm, das sich über die ganze Bühne des Fröttmaninger Theaterzelts erstreckt.

Kaa ist die Monroe unter den Schlangen

München - Bettina Mönch spricht im Interview über ihre Rolle im „Dschungelbuch“-Musical des Gärtnerplatztheaters und ihr 36 Meter langes Kostüm.

Heute Abend ist die Premiere der Gärtnerplatz-Produktion des Familienmusicals „Das Dschungelbuch“ im Zelt des Deutschen Theaters in München-Fröttmaning. Menschenjunge Mogli bekommt es hier nicht nur mit dem Tiger Shir Khan zu tun – auch die Schlange Kaa hat großen Appetit auf den Buben. Die Münchner Musicaldarstellerin Bettina Mönch spielt Kaa – und ist in unserem Gespräch ebenfalls hungrig. Sie kommt direkt von der Probe.

Auf dem Plakat zum „Dschungelbuch“ ist dieses Zitat von Ihnen abgedruckt: „Mogli habe ich zum Fressen gern!“ Offenbar haben Sie kein Problem, sich beim jungen Publikum unbeliebt zu machen?

(Lacht herzlich.) Nein, das habe ich nicht. Schließlich bin ich eine der beiden Bösewichte. Obwohl: So richtig böse ist Kaa nicht – zum einen gelingt es ihr letztendlich nicht, Mogli zu fressen. Es kommt immer was dazwischen. Zum anderen mag Kaa Mogli auch – auf ihre Weise.

In Rudyard Kiplings Erzählungen ist Kaa ein Freund Moglis. Erst in der Disney-Verfilmung versucht die Schlange, den Menschenjungen zu verspeisen...

Bettina Mönch

In unserem Stück will ich Mogli eigentlich nichts Böses anhaben, ich habe einfach nur Hunger und er ist mein gefundenes Fressen. Meine Kaa ist eigentlich ein Tollpatsch – und dennoch jemand, vor dem sich Mogli fürchten muss. Und die Kinder im Publikum auch. (Lacht.)

Am Gärtnerplatz ist Kaa – im Gegensatz zur Originalgeschichte – eine Frau?

Ja, eindeutig.

Sind die Waffen einer Frau andere?

(Lacht.) Ja, meine Waffen sind andere als die einer männlichen Kaa wären. Ich bin sogar eine Schlange mit Beinen – und daher, was Sexiness betrifft, im Vorteil allen echten Schlangen gegenüber.

Können Sie schon mehr verraten?

Das Kostüm ist sehr spektakulär, weil Kaa eine Schlange ist, die immer schon nach Hollywood wollte, sozusagen ein verhinderter Filmstar. Die ganze Figur ist ein bisschen auf die Monroe hin angelegt.

Ist Kaa die spannendste Figur im „Dschungelbuch“, weil sie eben nicht eindeutig festlegbar ist...?

Diese Ambivalenz macht sie natürlich interessant. Im Idealfall weiß der Zuschauer nicht so recht: Fürchtet er sich vor ihr? Findet er sie lustig? Hat er sie vielleicht sogar doch gern? Sie hat ja ohne Zweifel auch liebenswerte Seiten und ist eine komische Figur: Einerseits ist sie gefährlich und sexy – doch bevor sie zuschlagen kann, macht ihr immer jemand einen Strich durch die Rechnung.

Es gibt im Text eine Stelle, da heißt es: „Kaa war keine Giftschlange – vielmehr verachtete er die Giftschlangen als feige Brut. Seine Stärke lag in dem ungeheueren Körper, mit dem er seine Opfer umklammerte.“

Genau. Mein Körper ist wirklich ungeheuer...

Mit Verlaub, so wirkt das aber nicht...

(Lacht.) Die Kostümbildner haben ganze Arbeit geleistet. Ich bin als Kaa 36 Meter lang und über die gesamte Bühne verteilt. Überall ist Schlange, wenn ich auftrete.

Wie schwer ist es, mit einer eigenen Inszenierung gegen die Bilder der Disney-Verfilmung anzutreten?

Der Vorteil des Theaters liegt allein schon in der Unmittelbarkeit, dem direkten Erleben von Schauspiel, Tanz und Gesang von echten Menschen in wunderbaren Kostümen und toller Kulisse.

Im „Weißen Rössl“ am Gärtnerplatz spielen Sie das lispelnde Klärchen. Wie viel Klärchen steckt in Kaa?

Überhaupt keins!

Nicht mal sprachlich? Als Schlange hätten Sie das Lispeln doch beibehalten können?

Nein. Ich zeige gern eine andere Facette von mir. Als Kaa zischle ich! Das ist ein großer Unterschied.

Sie sind in München geboren. Ist es etwas Besonderes, hier auf der Bühne zu stehen?

Ja, ich habe zwar nur bis zum fünften Lebensjahr hier gelebt und bin dann in Landsberg am Lech aufgewachsen, aber es ist trotzdem ein Nach-Hause-Kommen. Toll ist, dass ich nun selbst in den Theatern spiele, in denen ich als Kind meine ersten Theaterstücke gesehen habe. Bereits 2007 gastierte ich im Deutschen Theater an der Schwanthalerstraße mit „Aida“. Zwei Bühnen meiner Kindheit habe ich also schon erobert!

Das Gespräch führte Michael Schleicher.

Premiere

Freitag, 30.11.2012, 19 Uhr, im Zelt des Deutschen Theaters in Fröttmaning (eventuell Restkarten an der Abendkasse). Weitere Vorstellungen bis 13. Januar. Karten unter Telefon 089/21 85 19 60.

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