Montags ist das Publikum überall gleich

München - An diesem Donnerstag startet Max Raabe mit seinem Palast-Orchester seine neue Konzerttournee; und einen Tag später, am 11. April, kommt seine neue CD auf den Markt.

Beider Titel: "Heute Nacht oder nie". Nach dem Auftakt in Berlin sind Auftritte in 70 Städten in Deutschland, Österreich und der Schweiz geplant. Für München hat Raabe sich allerdings etwas Zeit gelassen. Hier ist er mit seinem Salonorchester erst am 17. September in Circus Krone. Wer solange nicht warten will, kann ihn schon zwei Monate vorher, am 17. Juli, im Kloster Benediktbeuern erleben. Bereits im Herbst vergangenen Jahres hatte Raabe sein neues Programm in New York präsentiert - und wurde dort enthusiastisch gefeiert.

-Sie starten am 10. April Ihre Konzerttournee in Berlin. Welches Repertoire haben Sie einstudiert?

Natürlich sind wir unserer Profession treu geblieben und spielen das Repertoire der Weimarer Republik, also grob gesagt der Zwanziger- und DreißigerjJahre. Wir haben viele Stücke ausgegraben, die niemand mehr kennt, die aber einfach wieder vor ein Publikum gehören. Aber wir müssen natürlich auch irgendwann mal das Stück vom "Kleinen grünen Kaktus" vortragen.

-Sie hatten bereits im Herbst in der New Yorker Carnegie Hall einen großen Auftritt. Ist das Programm dasselbe?

Das neue Konzertprogramm "Heute Nacht oder nie" hatte in den USA seine Uraufführung. In Amerika haben wir das Programm allerdings halb deutsch, halb englisch gespielt. In Deutschland liegt der Schwerpunkt auf den deutschsprachigen Titeln. Wir haben einige Lieder ausgetauscht, aber der Charakter ist erhalten geblieben.

-Wie war die Resonanz in New York?

Das Publikum reagierte euphorisch auf unser Konzert. Das, was wir da machen, gibt es in Amerika nicht, auch nicht diese Art von Humor, Musik und Interpretation. Verblüffend war für die Amerikaner, dass es so etwas wie einen deutschen Humor gibt. Damit hatten sie nicht gerechnet. Für uns war der Auftritt in der Carnegie Hall ein Meilenstein. Unsere CD mit dem Live-Mitschnitt vermittelt einen sehr guten Eindruck von der Atmosphäre.

-Also ein Karrierehöhepunkt?

Klar war das ein Höhepunkt. Aber danach kamen Lübeck und Kiel. Und ich kann nicht sagen, dass wir da mit weniger Energie auf der Bühne standen. Wir müssen das Publikum, das vor uns ist, begeistern. Mir ist es einerlei, wie viel Einwohner die Stadt hat, in der ich gerade spiele.

-Sie sind weltweit erfolgreich. Gibt es so etwas wie ein Erfolgsrezept?

Ich habe halt eine Begeisterung für das, was ich tue, und eine Neugier dafür, immer etwas Neues zu recherchieren und auszufeilen. Wir sind immer penibler mit uns geworden und genauer in der Erarbeitung. Unsere Begeisterung überträgt sich.

-Sie wurden auch schon in Schanghai gefeiert. Würden Sie denn auch momentan in China ein Konzert geben?

Ja. Man muss den Chinesen präsentieren, was es auf der Welt so gibt, und das in China. Man darf die chinesische Bevölkerung nicht über einen Kamm scheren. Ich will auch meine Aufgabe nicht überschätzen. Wir machen Unterhaltungsmusik, und die hat es noch nie geschafft, irgendwas zu verändern.

-Gibt es Unterschiede beim Publikum in den verschiedenen Ländern?

Der Unterschied besteht weniger in den einzelnen Ländern als in den Wochentagen. Ein Publikum am Montag ist weltweit gleichermaßen schwer zu knacken. Eines am Freitag ist dagegen überall per se schon in guter Stimmung.

-Sie werden in acht Monaten Konzerte in 70 Städten geben. Ist das harte Arbeit?

Die eigentliche Arbeit ist das Reisen zwischen den Städten. Das Herumhängen an Flughäfen und Bahnhöfen, das Stehen im Stau, das Einchecken in Hotels und das Vergessen von wichtigen Einzelteilen in Hallen und Hotels. Das ist der eigentliche Zirkus und das Ermüdende. Aber wenn man immer wieder auf ein neues Publikum treffen möchte, ist das Reisen eben notwendig. Da hat sich seit Mozarts Zeiten nichts geändert. Ab acht Uhr abends fängt für mich das Vergnügen an. Dann bin ich das Pferd, das über die Startlinie jagen kann. Klar gibt es mal schwache Tage, doch eigentlich reißt mich das jedes Mal mit. Ich kann mit meinen zwölf Musikern nicht mit halber Kraft auf der Bühne stehen.

-Über Ihr Privatleben schweigen Sie lieber...

Ich bin nicht so plauderfreudig über mein Privatleben. Es gibt nichts Spektakuläres. Ich treibe Sport, fahre wie einige im Orchester seit vielen Jahren Ski, fahre sehr viel Fahrrad in Berlin, gehe im Sommer viel schwimmen, bin leidenschaftlicher, aber miserabler Surfer und halte mich gerade zu Pferde. Von all diesen Dingen falle ich nicht allzu schnell runter. Ich lese sehr gern und viel, oft Biografien aus der Zeit der Weimarer Republik, so dass ich eine Ahnung vom Zeitgeist habe.

Das Gespräch führte Holger Mehlig

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