Monumente des Alltags

- Auf dem Glastisch die große Hand des Vaters neben der kleinen des Sohnes. Ihre Köpfe im Dreieck mit dem gemalten Schädel an der Wand. Spiegelbildlich die junge Mutter mit der kleinen Tochter auf dem Schoß; nicht nur ein helles Fenster und ein Lilienstrauß trennen sie von den männlichen Familienmitgliedern. Das Porträt der "Familie Gerhard Richter 1" (2002) von Thomas Struth ist eine Fotografie von strenger Kühle, erfüllt von traditionellen Symbolen für die Hierarchie einer Familie.

<P>Gleich nebenan eine der bunten Straßen Tokios zwischen Hightech und Armut (Hilo Street, Jiyu Gaoka, Tokyo, 2003), gegenüber: die armselig grauen South Lake Street Apartments in Chicago (1990) zwischen Spielzeug und Monumentalität. Alle Themenschwerpunkte des 1954 geborenen Fotografen Thomas Struth sind in diesem Raum exemplarisch vertreten.<BR><BR>Die Ausstellung in der Münchner Pinakothek der Moderne bildet den Auftakt zu einer wechselnden Präsentation der 142 Werke umfassenden Fotosammlung der Allianz - ergänzt durch Aufnahmen aus der Siemens-Stiftung, Leihgaben sowie eigene Bestände -, die diese dem Haus als Dauerleihgabe zur Verfügung stellt. Schwerpunkt ist die deutsche Gegenwartsfotografie um Bernd und Hilla Becher, Candida Höfer oder Thomas Ruff.<BR><BR>Geheimnis des Lichts</P><P>Am Anfang der Allianz-Sammlung stand 1991 der Erwerb von Thomas Struths Museumsfotografie "Musé´e d'Orsay 2" (1989). Auch diese ist in der Ausstellung zu sehen, genauso wie ein Einblick in Struths durch Blumenmotive und Landschaftsaufnahmen fotografisch-psychologische Gestaltung der Zimmer des Spitals am Lindberg in Winterthur, mit der Struth 1991 beauftragt wurde.<BR><BR>Die Wände des Nebenraums säumen kleinformatige Fotografien: der amerikanische Kleinstadt-Alltag, aufgenommen von einem Mitarbeiter der New Yorker Factory Andy Warhols, einem, der 1972, mit 24 Jahren, zum ersten Mal über Land reiste: Stephen Shore. Schaufenster, Hotelzimmer, Häuserfronten, Straßenzüge - "American Surfaces" von erstaunlicher Ausdruckskraft. Ihr Geheimnis ist das Licht, das noch deutlicher hervortritt in den größeren, unheimlich scharfen Kontaktabzügen der Acht-auf-zehn-Inch-Kamera, auf die Shore sich von 1973 an spezialisierte. "Uncommon Places" fasst er diese Bilder neun Jahre später zusammen, diese Einöden des Alltags, die erst durch die Geschicklichkeit zu ungewöhnlichen Orten werden, unter natürlicher Beleuchtung und den Brechungen des letzten Sonnenlichts noch Farben zu inszenieren.<BR></P><P>Bis 12. September; <BR>Tel. 089/ 23 80 53 60.<BR></P><P><BR> </P>

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