Französische Schauspielerin Danielle Darrieux gestorben

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Mord für den Mann

Premieren-Gespräch: - Thomas Ostermeier, Intendant der Berliner Schaubühne" inszeniert für die Münchner Kammerspiele Rainer Werner Fassbinders Werk "Die Ehe der Maria Braun" mit Brigitte Hobmeier in der Titelrolle.

Nora, Hedda Gabler und bald auch Maria Braun: Es sind diese aufbegehrenden Frauen, die den Theaterregisseur Thomas Ostermeier und Rainer Werner Fassbinder miteinander verbinden. "Es gibt da eine ähnliche Faszination für diese Figuren", sagt Ostermeier, der Chef der Berliner Schaubühne. Dort inszenierte er in den vergangenen Jahren die beiden Ibsen-Figuren, denen sich auch Fassbinder, mal im Film, mal im Theater, widmete.

Und nun bringt Ostermeier als seine dritte Arbeit für die Münchner Kammerspiele Fassbinders "Die Ehe der Maria Braun" auf die Bühne, mit Brigitte Hobmeier in der Titelpartie sowie Jean-Pierre Cornu und Hans Kremer in weiteren Rollen. Premiere ist am Mittwoch. "Dass Emanzipation und der Geist der 50er-Jahre zusammentreffen, ist für mich der Clou an dem Drama."

Drama? 1978 drehte Fassbinder diesen Film mit Hanna Schygulla und Klaus Löwitsch als Teil seiner "Geschichte der Bundesrepublik Deutschland". "Ich behandle das Drehbuch des Films wie ein Stück", sagt Ostermeier. "Es ist für uns nicht der Punkt, unbedingt einen Film umzusetzen. In den Dialogen und der Dramaturgie spürt man den Theaterautor durch. ,Die Ehe der Maria Braun‘ ist ein großer Stoff." Und der erzählt von der ganz jungen Bundesrepublik der Nachkriegszeit: Maria Braun heiratet Hermann mitten im Zweiten Weltkrieg und hält den Vermissten später für tot. Als er doch noch heimkehrt, bringt sie ihren amerikanischen Liebhaber um, Hermann aber geht für sie ins Gefängnis. Für eine bessere Zukunft mit ihm macht sie Karriere und erwirbt sich in einer Zweckbeziehung Ansehen und Reichtum.

Eine Frau, die in den 50er-Jahren die Rolle eines Mannes übernimmt, über die aber am Ende die Männer mit der Aufteilung einer Erbschaft doch wieder bestimmen, fasziniert den Regisseur: "Der Traum von der Unabhängigkeit - allegorisch auch für einen Zeitpunkt in der bundesdeutschen Geschichte, an dem man Rollen anders entwerfen konnte - wird wieder in das klassische Rollenverständnis gewendet." Dass schließlich Marias Villa in die Luft fliegt "und damit die Utopie eines anderen Deutschlands gesprengt wird", gefällt Ostermeier.

Wie wird ein Theaterregisseur solch starke Filmbilder wieder los, wenn er sie nicht nachahmen will? "Allein durch unsere Konzeption, dass vier Männer eine Frau umkreisen und auch Frauenrollen spielen, entsteht eine ganz andere Welt. Es liegt auch in der Natur der Sache: Beim Film wirken Bildausschnitte oder auch mal nur eine Körperlinie. Auf der Bühne sind immer die ganzen Körper im Raum." Allerdings sei der Film so gut, dass man gar nicht an ihn herankomme. "Man muss eher eine Variation über das Thema anstreben."

An dem interessiert Ostermeier nicht zuletzt, dass in den politisch unbewussten 50er-Jahren die Weichen für eine spätere Geschichtsvergessenheit gestellt wurden. "Heute findet fast schon so etwas wie eine Geschichtsrevision statt in Filmen wie ,Dresden’, ,Die Flucht’ oder ,Der Untergang’, wo plötzlich ganz stark im Vordergrund steht, dass Deutschland auch Opfer war." Ostermeier will mit den Mitteln und der Unabhängigkeit des Theaters dagegen ansteuern.

Fühlt sich der Regisseur, der in Landshut aufgewachsen ist, in München eigentlich noch zuhause - nach vielen Jahren in Berlin an der Schauspielschule, der Baracke des Deutschen Theaters und schließlich der Schaubühne? "Als Niederbayer fühle ich mich in München so fremd wie ein Bayer in Berlin. München ist reicher und hat ein anderes Selbstverständnis. Heimatgefühl kommt da nicht auf." Aber eine andere Faszination: "Da ist diese seltsame Verbindung zwischen dem Sprachraum und den sozialen Möglichkeiten. Es gibt hier unwahrscheinliche Begabungen, Schauspieler wie Josef Bierbichler oder auch Brigitte Hobmeier. Ähnlich ist es mit Autoren wie Fassbinder, Franz Xaver Kroetz und Martin Sperr. So eine Dichte gibt es sonst nirgendwo in der deutschen Provinz. Irgendetwas muss hier sein."

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