Gürtel-Attacke gegen Kippa-Träger: Täter schuldig gesprochen

Gürtel-Attacke gegen Kippa-Träger: Täter schuldig gesprochen
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Die stoische Instanz: Lemmy Kilmister variiert mit seiner Band Motörhead schon seit 36 Jahren ein und denselben, mörderisch schnellen Rocksong.

Motörhead feierte im Zenith ein Rock-Hochamt: Die Konzertkritik

München - Alle Jahre wieder zur staaden Zeit kommt der Mann mit dem lustigen Bart und dem komischen Hut und macht den Kindern Geschenke. Um genau zu sein, holt er den Knüppel aus dem Sack und haut kräftig drauf – und die (in die Jahre gekommenen)Kinder finden das auch noch gut.

Etwa 5000 von ihnen zwängen sich auch diesmal ins ausverkaufte Zenith, um Lemmy Kilmister zu sehen, der am Heiligen Abend 1945 geboren wurde, früher für Jimi Hendrix die Gitarren schleppte und der seit 1975 das englische Rock’n’Roll-Trio Motörhead befehligt.

Auch wenn das weder die Fans, noch der gute alte Lemmy (natürlich ganz in Schwarz, mit Backenbart und Armee-Hut) hören wollen: Ein Motörhead-Konzert ist in mancherlei Hinsicht wie der sonntägliche Kirchgang. Ein in Stein gemeißelter Ritus, der Halt gibt in einer Welt, die sich im Fünfminutentakt verändert. Wenn Lemmy mit der Lautstärke eines Überschalljets die Leviten gelesen hat, ist alles wieder gut – oder doch zumindest erträglich. Und zwar nicht nur für besoffene alte Hardrocker, sondern auch für jugendliche Mützen- und Hornbrillenträger. Motörhead sind für alle da. Die unglaublichste Ikone der Pop-Geschichte.

Und so funktioniert das Hochamt: Im Bühnenhintergrund droht das Emblem der Band, jener berüchtigte Zwitter aus Totenkopf und kettenbehangener Wildsau mit Pickelhaube, der auch auf fast jedem T-Shirt im Saal prangt – dann heult eine Fliegeralarm-Sirene, Flakscheinwerfer tasten durchs Dunkel. Motörhead erscheinen und spielen „Bomber“, danach „Damage Case“. Der Teufel ist los für die nächsten zwei Stunden.

In dieser Zeit variieren Motörhead im Grunde ein und denselben, mörderisch schnellen Rocksong. Der Sound ist mies (wir sind im Zenith), aber das ist egal, wenn Lemmy heiser röhrt, Phil Campbell mit seiner Gitarre Zahnwurzelbehandlungen durchführt und Mikkey Dee am Schlagzeug böllert. Natürlich haben sie ein neues Album – „The Wörld Is Yours“ –, und natürlich sind Songs wie „I Know How To Die“ gut. Aber die Fans warten auf den bösen Mahlstrom „Orgasmatron“ und Klassiker wie „Stay Clean“ und „Iron Fist“. Lemmy bewegt sich beim vierten Song zum ersten Mal, Campbell übernimmt die meisten Ansagen. Ist auch egal. Was sind Worte, wenn man Schall und Rauch haben kann?

Im Zugabenteil dann die erste Abwechslung: Der „Whorehouse Blues“ groovt akustisch, Lemmy bläst mitleidlos die Mundharmonika. Dann das Weltkulturerbe: „Ace Of Spades“ und „Overkill“. Am Ende spricht Lemmy den Friedensgruß: „München! Don’t forget us. We’re Motörhead. And we play Rock’n’ Roll!“ Die staade Zeit beginnt mit einem Pfeifen im Ohr.

Johannes Löhr

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