+
Abschiedsrunde? Motörhead-Gründer Lemmy Kilmister.

Konzertkritik

Motörhead lassen die Hosenbeine flattern

München - Hits aus 40 Jahren Rock boten Motörhead im Münchner Zenith ihren Fans. Unsere Konzertkritik.

21.21 Uhr – der Krieg beginnt. Mit Jagdflugzeug-Geräuschen und Sirenengeheul startet das Konzert von Motörhead im ausverkauften Münchner Zenith, und damit öffnen Lemmy Kilmister, Philip Campbell und Mikkey Dee mit „Bomber“ die Pforten der Hölle. Es ist infernalisch laut, selbst am Ende der Halle lassen die Druckwellen aus den Lautsprechern die Hosenbeine flattern.

Es ist also so, wie die Fans es lieben seit den Zeiten, in denen Helmut Schmidt noch Kanzler war und Rock schmutzig, lärmend, gefährlich zu sein hatte. Denn Motörhead war und ist seit nunmehr 40 Jahren Rock und eben nicht tumber Heavy Metal. Sehr schnell, sehr hart und selbstverständlich in apokalyptischer Lautstärke, aber im Kern klassischer Rock’n’Roll. Lemmy und seine Gang spielen sehr viele sehr alte Lieder an diesem Abend. Vom neuen Album „Bad Magic“ gibt es nur ein Stück, aber das ist durchaus nach dem Geschmack des brodelnden Saals.

Lemmy selbst, immerhin schon 69, röhrt nicht mehr so kräftig, wie man es von ihm gewohnt war, nimmt sich Auszeiten, und gegen Ende klingt die einst mächtige Shout-Stimme geradezu brüchig. Ein exzessives Leben und eine überstandene Herzoperation fordern ihren Tribut. Verbreitete Lemmy früher die Aura eines atavistischen Stammeskriegers, macht man sich heute eher Sorgen um ihn. Man kann sich den Eindrucks nicht erwehren, dass man hier eher Zeuge einer Abschiedsrunde ist denn einer triumphalen Jubiläumstour. Zum nächsten runden Bandgeburtstag wird es keine Tour geben, das ist klar.

„Motörhead“ verabschiedet sich nach etwas mehr als 80 Minuten, zu mehr reicht die Kraft nicht mehr. Aber das ist in Ordnung. Nach 40 Jahren Brachialrock am Rande des Irrsinns ist es Zeit für das Veteranenheim. Das ist nicht ehrenrührig. Besser hochdekoriert am Leben als den sinnlosen Heldentod erleiden. Möge Lemmy noch lange unter uns weilen.

Von Zoran Gojic

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Waltraud Meier: „Ich will intelligent gefordert werden“
Ein letztes Mal kehrt Waltraud Meier zu den Bayreuther Festspielen zurück - nach 18 Jahren Abstinenz. Ein Gespräch über ihr Comeback, den Abschied von Rollen und über …
Waltraud Meier: „Ich will intelligent gefordert werden“
Das Residenztheater bietet der Welt eine Bühne
Die Welt zu Gast bei Freunden: An diesem Wochenende hat „Welt/Bühne“ Premiere im Marstall. Wir sprachen über das internationale Autoren-Projekt mit Sebastian Huber, …
Das Residenztheater bietet der Welt eine Bühne
Kris Kristofferson im Circus Krone: Country und Folk im Punkrockformat
Am Dienstag speilte Kris Kristofferson im nicht ganz ausverkauften Circus-Krone. Statt vieler Ansagen gab es ein ambitioniertes Pensum an Songs. Trotzdem fehlte dem …
Kris Kristofferson im Circus Krone: Country und Folk im Punkrockformat
Weltkino mit rabenschwarzem Humor
158 Produktionen aus 43 Ländern sind beim Münchner Filmfest vom 28. Juni bis 7. Juli zu sehen – der Vorverkauf hat begonnen.
Weltkino mit rabenschwarzem Humor

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.