Mozart und Kollege

- Mozart und die Moderne - so präsentiert sich das Konzertprogramm der Salzburger Festspiele zum 250. Geburtstag des Komponisten. Festspielchef Peter Ruzicka animierte zeitgenössische Komponisten (die meisten kennt das Münchner Publikum von der Biennale oder der musica viva), sich dem großen Kollegen zu stellen.

 So entstanden etliche Auftragswerke, deren erstes am Sonntagabend im Verein mit Mozarts Haffner-Symphonie und seinem letzten Klavierkonzert unter der Leitung von Daniel Barenboim uraufgeführt wurde.

Barenboim und die Wiener boten Klänge mit Biss

Johannes Maria Staudt, der 32-jährige Innsbrucker, ließ sich von einer kurzen Mozart-Skizze inspirieren. Die wenigen Takte für Cello und Tasteninstrument hatte der Cellist Heinrich Schiff entdeckt, und so avancierte denn auch er, begleitet von den Wiener Philharmonikern, zum Solisten von "Segue" ("Es folgt"), einer Musik für Violoncello und Orchester. Was die Musiker zunächst anstimmen, klingt eindeutig nach Mozart, allerdings wird er schon bald von einem heftigen Staudt-Sturm "davongejagt". Mit viel Schlagzeug, mit Blech und einer immer wieder "wimmernden" Windmaschine - Akkordeon und Saxophone gehen eher unter - trumpft der junge Komponisten-Kollege auf, bereitet dem Solisten das Feld für große, virtuose Auftritte.

Schiff klinkt sich mit wilden Läufen in das anfangs aufgeregte, eruptive Geschehen ein. Er steigt, zusammen mit den Wiener Streichern, in höchste Lagen, zaubert Glissandi an der Hörgrenze, reizt mit Flageoletts und heftigsten Vibrati sein Klangspektrum aus und steuert schließlich mit frechen Pizzicati sogar in Richtung Jazz. Und wenn er dann - quasi in voller Fahrt - an den Wirbeln dreht und sein Cello "verstimmt", dann spätestens merkt man, dass er als Inspirator lustvoll mitgemischt hat bei dem, was auf Mozart folgt.

Festspielgemäß hatten Barenboim und die Wiener den Abend mit der hochfestlichen Haffner-Symphonie eröffnet, deren ersten Satz sie wie ein brillantes Feuerwerk explodieren ließen. Mozart mit Biss, das war in dieser Konstellation nicht zu erwarten. Dennoch erfreute die D-Dur-Symphonie mit feinen Überleitungen, geschmeidig ausformulierten Streicherpassagen und einem Presto, das seinen Namen verdiente.

Das abschließende Klavierkonzert B-Dur KV 595, das der Pianist Barenboim vom "ungedeckelten" Flügel aus dirigierte, wies über verspielte, gefällige Geläufigkeit nicht hinaus und streifte im romantisch angehauchten Larghetto die Langeweile. Trotzdem großer Applaus für Orchester, Dirigent/ Pianist und für Johannes Maria Staudt, dem auch ein paar Buhs entgegenschallten.

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