Mozart mit Stil

- Sie tritt in der Klasse der leichtgewichtigen, der hellen Mezzos an und kann es getrost wagen, ihrem 250 Jahre alten Landsmann die Ehre zu erweisen: Denn Mozart und Angelika Kirchschlager, die beiden Salzburger, passen prima zusammen. Das bewies die junge Sängerin beim Liederabend im Münchner Prinzregententheater, wo Helmut Deutsch am Flügel der ideale Begleiter war. Stilistisch nah startete sie mit Haydn, mit englischen Liedern, die ihrer beweglichen, kleinen, diesmal anders als im Wiener "Idomeneo" ausgeglichen geführten Stimme bestens liegen. Unforciert und mit natürlichem Tonfall traf sie die Stimmung der Love-Songs, besonders eindrucksvoll im "She never told her love".

Nur wer sich so selbstverständlich, unprätentiös und ohne falsches Gefühl auch Mozarts meist als harmlos abgestempelten Liedern nähert, der entdeckt dem Publikum ihren Reiz. Sie blühen - wie das besungene Veilchen - allein in der Schlichtheit, der Naivität, der man sich fraglos anvertrauen muss. Kirchschlager und Deutsch taten es mit Stilgefühl, Geschmack und wunderbarem Erfolg.

Mit Edvard Griegs Sechs Liedern op. 48 - eigentlich Männer-Liedern - arbeitete sich die Hosenrollen-Favoritin vor in dramatischere, romantische Gefilde. Während Deutsch die aparte Farbpalette am Klavier auskostete, legte die Sängerin etwas mehr zu, deuteten sich ganz zart aber schon ihre Grenzen an, was Volumen und vor allem Farbspektrum betrifft.

Schlankes Singen ist auch bei Brahms kein Fehler, vor allem wenn "Therese" als kleine Szene mit so viel Schalk serviert wird. Und so orgelnd wie früher Christa Ludwig "Von ewiger Liebe" sang, muss es ja heute nicht mehr sein. Dennoch, Kirchschlagers Eindunkeln und Vergrößern der Stimme klingt "gemacht", ihre Registerwechsel sind nicht organisch. Da ihr das aufregende Mezzo-Changieren, die dunkle Glut fehlen, kränkelten vor allem Liszts "Drei Zigeuner", in denen Helmut Deutsch den Atem der Puszta beschwor. Begeisterter Applaus, Blumen und Zugaben.

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