Mozart als Trieb

- "Vergiss das Singen, genieß es einfach!" Dies Rezept gibt der aus Buenos Aires stammende Sänger Hector Guedes an die Mitglieder des lyrischen opern ensemble weiter. Es geht ihm darum, Ängste abzubauen, unbefangen und ausgelassen zu agieren - denn die Gruppe schwimmt gegen den harten Strom der Opernhierarchie, in der ein Sänger eine Partie nur dann erhalten kann, wenn er sie bereits gesungen hat.

Wie bloß soll man Erfahrungen machen, wenn man gar keine Chance dazu bekommt?, fragten sich die Sopranistin Gesa Jörg und die Künstlerin Eva Jägel-Guedes und schufen im Mai letzten Jahres den Verein lyrisches opern ensemble. Hector Guedes stellte sich als Regisseur, und die Stadt Dachau stellte einen Saal im Ludwig-Thoma-Haus zur Verfügung: Der "Rigoletto" wurde ein voller Erfolg und viele der Debütanten erhielten nachher weitere Engagements.

Die ehrenamtliche Arbeit sei hart, gesteht Guedes, aber es sei auch angenehm, die etwa 25 in ihren Rollen unkundigen Sänger - in seinen Augen: singenden Schauspieler - in Stimme und Körper zu zähmen. "Sie können hier so gut wachsen, ungestört von Eifersucht und Intrigen", schwärmt Gesa Jörg. "Jeder bringt eine wirklich neue Farbe in die Geschichte", bestätigt der Regisseur. Die Geschichte, das ist in diesem Mozart-Jahr "Don Giovanni". Eine Herausforderung, findet Guedes. Schon oft hat er in seiner Karriere den Leporello gesungen, nun will er seine Erfahrungen weitergeben. "Don Giovanni ist für mich ein Trieb", erklärt er, "kein Mensch, sondern etwas Unmögliches, das man durch einen Menschen darstellen muss". Eine Figur, die Guedes mit dem jungen Gast in Pier Paolo Pasolinis "Teorema" vergleicht: wie ein kindischer Gott, der alle Menschen aus sich herauslocke.

Die Inszenierung spielt mit Nähe und Distanz. Einzelne Ensemble-Choreographien sollen den Handlungsfluss immer wieder brechen; die Bühne schöpft aus Projektionen; die Kostüme sind zeitlos und symbolisch. Begleitet wird das internationale Ensemble von der jungen Blutenburger Kammerphilharmonie unter der Leitung von Jörg Bierhance. Und auch hier wird experimentiert: Ende Oktober wird es vier Aufführungen mit zwei Flügeln geben.

Am 12., 19., 23. September, 28. Oktober, 3., 10., 18. November, 19.30 Uhr. Augsburger Str. 23. Karten unter Tel.: 08131/ 5 40 64.

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