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Mozart-Gipfel

- Nein, den Mozart-Rausch kann man in diesem Jahr nicht mehr besänftigen. Nirgendwo sonst wird er derzeit so wach gehalten wie in der Geburtsstadt des Musikfürsten selbst. Fast sind die Salzburger Festspiele beendet, und wenn man schon glaubte, mit den Höhepunkten sei es vorbei, bekommt man immer noch ein Mozart-Schmankerl oben drauf. Im Großen Festspielhaus servierte Nikolaus Harnoncourt, derzeit amtierender Mozart-Weltchefdirigent, zusammen mit den Wiener Philharmonikern die letzten drei Sinfonien des Meisters. Mit denen hatte dieser die Gattung in völlig neue Dimensionen gelenkt und die Sinfonie endlich der Bedeutung zugeführt, die sie im 19. Jahrhundert zum wichtigsten Ausdruck der abendländischen Instrumentalmusik werden ließ.

Es-Dur, g-moll und C-Dur an einem Nachmittag - ausnahmsweise hatte der manische Hang der Festpielverantwortlichen zur Zyklenbildung zu einem guten konzeptionellen Ende geführt. Als Einheit werden die drei letzten Mozart-Sinfonien im Konzertsaal nur selten gespielt, und so hat man leider auch nicht oft Gelegenheit, die feinen, nicht nur tonartenspezifischen Bezüge zwischen den einzelnen Werken zu entdecken. Umso erfreulicher, dass Nikolaus Harnoncourt ein exzellenter Kenner und tiefer Versteher des Mozart'schen Schaffens ist. Er ist der richtige Mann, die Elemente der Musik jener drei Sinfonien zu einer Einheit von Klang und Geist zu verbinden - auch wenn zwei viertelstündige Pausen bei diesem Vorhaben leicht hinderlich wirken.

Neue Dimension durch die letzten Sinfonien

Was Harnoncourt als Dirigenten so sympathisch macht, ist, dass er trotz seines reifen Alters das Suchen noch nicht aufgegeben zu haben scheint. So gibt es auch in diesem Konzert immer wieder Überraschendes, noch nie Gehörtes. Übertrieben herausgehobene Sforzati und breit gewalzte Tenutobögen zum Beispiel, die als Einzelaktionen verwirren, in der Gesamtinterpretation aber schlüssig sind. Ein typisches Nikolaus-Harnoncourt-Phänomen: Die Musik scheint seiner eigenen Körperlichkeit zu entspringen, seiner Mimik und Gestik, die auf den ersten Blick fast launisch wirkt, aber in Wirklichkeit Gefühl gewordener Ausdruck tiefster Nachdenklichkeit ist.

Die Symbiose mit den Wiener Philharmonikern gelingt ohne Taktstock und geht schließlich auf in einem alle Klangnuancen ausnutzenden Streicherzauber, einem Holzbläserklang so weich wie Lammwolle und der perfekten Abstimmung all dieser Teile zu einem großen Ganzen - entladen im überwältigend gespielten Finale der Jupiter-Sinfonie.

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