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Alfons Mucha: Tierkreiszeichen-Kalender der Zeitschrift „La Plume“ (Die Feder).

Mucha-Ausstellung: Große Show

Die Ausstellung „Alfons Mucha – Meister des Jugendstils“ ist zu Gast in der Münchner Hypo-Kunsthalle. "Große Show", meint Kulturredakteurin Simone Dattenberger

Alfons Mucha (1860-1939): Der Name mag vielen nichts sagen. Kaum aber sieht man eines seiner Plakate, fällt’s Zehnerl. Die Münchner Hypo-Kunsthalle zeigt jetzt mit der Ausstellung „Alfons Mucha – Meister des Jugendstils“ einen umfassenden Überblick über das Schaffen des böhmischen Könners. Natürlich die traumhaft-fabelhaften Plakate, aber auch seine uns eher unbekannten prachtvollen Bilder-Symbole und -Erzählungen, die die Menschheits-Geschichte und vor allem die Entwicklung der Slawen und Tschechen zu fassen suchen. Mit Mucha, dem Weltbürger des Jugendstils, der es bis in die USA schaffte, treffen wir zugleich auf einen Vertreter des Nationalstolzes der Völker, die ständig von anderen Herrschern dominiert wurden.

Aus unserem heutigen Erfahrungsschatz muten uns seine kampf- und opferbereiten, muskulösen Jünglinge oder eine „Heilige Mutter der Nation“ unsympathisch an, aber mit ihnen machen wir eine Reise zum Zeitgeist des endenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. Und wir sehen gerade in Muchas Bildern, dass Patriotismus die anderen nicht ausgrenzen muss. Er lässt ihn stets mitschwimmen im großen gemeinsamen Strom aller Menschen dieser Welt. Deswegen kann er auch ganz zwanglos die drei Religionen des slawischen Raums auf einem Wandbild zusammenführen: Katholiken, Orthodoxe und Moslems. Dieses Gemälde gehört zum Pavillon von Bosnien-Herzegowina, der zur Weltausstellung 1900 in Paris entstand. Alfons Mucha konnte da seinem Hang zur Monumentalität und historischen Allegorie nach Herzenslust frönen.

In der Kunsthalle ist der Pavillon mit den vier Wand-Tableaux, die bei den Urmenschen ansetzen, dem Blumenranken-Sockel und den holzverzierten Fenstern rekonstruiert worden. Auch von der Ausstattung des Hauptsaals im Repräsentationsbau der Stadt Prag – über allem schwebt die panslawische Kuppel (!) – und von den zwanzig Gemälden auf insgesamt tausend Quadratmetern Leinwand seines „Slawischen Epos“ (derzeit in einem Schloss in Moravsky Krumlov) bekommt man in der Schau einen guten Eindruck. Monument und Ornament – das hat Mucha fasziniert. Diese These untermauert die Präsentation gleich zu Beginn – mit Hans Makart. Allerdings nicht mit einem salonschwülen Bild, sondern mit einem mächtigen Querformat, das Symbolismus und Jugendstil in sich trägt. Mucha, von der Prager Kunstakademie abgewiesen, begegnete dessen bildnerischen Dramen in Wien, wo er als Kulissenmaler gleichzeitig die Bühnen-Dramen aufsog. Nach einem zweijährigen Aufenthalt in München kam er 1889 nach Paris, das Mekka der Kunstwelt. Seine Entwürfe für Buchillustrationen – er musste Geld verdienen – weisen ihn als Könner aus. Er kann Effekt erzielen, ohne plump zu sein, souverän in den zeichnerischen Mitteln, im Setzen von Hell-Dunkel.

1894 jedoch war er mit einem Schlag berühmt und populär: mithilfe des Theaters, mithilfe der öffentlichsten Kunst – dem Plakat. Megastar Sarah Bernhardt hatte plakatieren lassen, und das „Gismonda“-Blatt fürs Pariser Théâtre de la Renaissance brachte den Durchbruch. Diese stets ins schlanke Hochformat gefügten Farblithografien, die die Bernhardt als absolute Einmaligkeit feiern, sind schlichtweg atemberaubend schön. Mucha entfesselt und zähmt zugleich Fläche und Linie. Dabei bleibt er dennoch perfekter Werbedesigner. Für seine Kundin schuf er eine unnachahmliche „Marken-Identität“. Und für sich selbst einen Platz in der Kunstgeschichte. Der „Style Mucha“ war nicht mehr wegzudenken. Betrachtet man diesen Jugendstil, wird auch klar wie er durch bewusste Flachheit und dominante Linie die Moderne vorbereitete.

Trotzdem, Alfons Mucha erzählt zu gern. In seinem „La Plume“-Kalender etwa ist alles mit Bedeutung aufgeladen. Vom Kristall-Diadem (Winter) der Dame bis zu den Sonne-/Mond-Zeichen unten mit Sonnenrad und Sonnenblume sowie Mondsichel und Mohnkapseln.

von Simone Dattenberger

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