Müde bis munter

- Neues, Ungewöhnliches, gar Irritierendes in Sachen Beethoven erwartet man nicht, wenn Riccardo Muti am Pult des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks (Donnerstagabend im Münchner Gasteig) erscheint. Schon die fette Besetzung, unter anderem mit sieben Kontrabässen und acht Celli, verdrängt jeden Originalklang-Gedanken. Selbst heftige Akzente und jähe rhythmische Wechsel erlösen den Kopfsatz nicht aus üppig-glattem (Streicher-)Sound.

Beim Andante cantabile con moto wird es dann trotz fein zelebrierter Pianissimi richtig langweilig. Erst dem Menuett verpassen Muti und die BR-Symphoniker den nötigen Biss und lassen im flotten Allegro-Finale die dynamischen Kontraste aufleuchten, bei erlesener Spielkultur.

Mehr erwartete sich mancher Zuhörer von der E-Dur Messe Luigi Cherubinis, den Muti immer wieder gern von einer anderen als der vertrauten "Medea"-Seite präsentiert. Natürlich erweist sich Cherubini, der Zeitgenosse Beethovens, rasch als Opernkomponist: Nach einem nuanciert gesteigerten, geschmeidigen und vom exzellenten BR-Chor (Einstudierung: Peter Dijkstra) in bester Balance gesungenen Kyrie trumpft schon das Gloria theatralisch auf - mit Pauken und Trompeten. Im Wechsel mit einem ausgefeilten, homogenen, klangsensibel agierenden Solistenquartett (Ruth Ziesak, Marianna Pizzolato, Herbert Lippert, Ildar Abdrazakov) agiert der Chor temperamentvoll, von Muti feurig angespornt. Gleiches gilt für das furiose Resurrexit im Credo, das zunächst sehr eindringlich mit den einzelnen Stimmengruppen beginnt und die Glaubensäußerungen plastisch bestätigt. Effektvoll schrauben die Trompeten das Sanctus hinauf, bevor das O Salutaris aus dem Fronleichnamshymnus zum verhaltenen, von den Streichern sanft gestützten Gebet wird und die Messe im schlichten Agnus Dei zart ausklingt. Freudiger Applaus für Maestro Muti, die Solisten, Orchester und Chor.

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