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Im Norden Kult – jetzt in München gefeiert: Ina Müller.

Konzertkritik

Ina Müller beim Tollwood: Singende, volksnahe Diva

Männer aufgemerkt! Wenn Ihr schon auf einen Geschlechtsgenossen nicht hören wollt, dann schenkt doch bitte zumindest dieser Frau die Aufmerksamkeit, die sie und ihr Anliegen verdienen:

Nackte Männerfüße in Sandalen sind hässlich – und ein Grund, warum die werte Damenschaft über uns Männer lacht. „Jungs“, rief Ina Müller deshalb bei ihrem Tollwood-Konzert am Dienstag , „es gibt keinen Grund für Vierradantrieb oder Trekking-Sandalen in der Stadt“. Dann wirft sie jede Menge Tennissocken ins johlende Publikum – und singt davon, dass der Sommer hoffentlich bald zu Ende sei, weil Männer dann keine Sandalen mehr tragen könnten. Herrlich!

Die Episode zeigt: Ina Müller , als vierte von fünf Bauerntöchtern im Kreis Cuxhaven geboren, Sängerin, Autorin und Fernsehmoderatorin („Inas Nacht“) ist eine wunderbare Entertainerin. Und dafür wird sie vom Publikum gefeiert, kaum dass sie auf der Tollwood-Bühne steht.

Diese Frau denkt schneller, als die meisten Zeitgenossen sprechen – und deshalb ist es auch schwer zu beurteilen, was denn nun unterhaltsamer ist an diesem Abend: das, was sie zwischen den Liedern erzählt, oder ihre stark interpretierten Chansons, Jazzschlager und Pop-Frechheiten, die absolut tanzbar sind. Letzteres bemerkten auch zwei Zuschauerinnen in der zweiten Sitzreihe: Sie standen tanzend, jubelnd auf – ohne an die Sicherheitsleute im Zelt zu denken. Die forderten die jungen Damen nämlich auf, doch wieder Platz zu nehmen – da schritt Müller ein: Nach einer sehr kurzen Debatte mit den (plötzlich sehr einsilbigen) Sicherheitsleuten stellte sie fest: „Ich hab das Mikrofon. Ich bin also die Chefin. München, wollt Ihr nicht die Stühle zur Seite räumen, nach vorne kommen – und wir haben einen tollen Abend?!“ Genau so ein Abend ist es geworden – einfach toll. Nicht nur weil Müller die volksnahe Diva gab, sondern auch, weil ihre Musiker beides beherrschen: druckvoll aufspielen – sich fast schon zärtlich zurücknehmen.

Im Norden der Republik ist diese Frau längst Kult. Spätestens seit ihrem Tollwood-Konzert sollte man sich den Namen Müller nun wirklich auch im Süden merken. Es lohnt sich.

von Michael Schleicher

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