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München: 100 Gentlemen genießen Kunst in den Antikensammlungen

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Von: Katja Kraft

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Kunstexpertin Sonja Lechner und Florian Knauß, Direktor der Staatlichen Antikensammlungen und Glyptothek in München.
Netzwerken wie in der Antike: Kunstexpertin Sonja Lechner und Florian Knauß, Direktor der Staatlichen Antikensammlungen und Glyptothek in München. © Stefan Heigl

Sonja Lechners Gentlemen ART Lunch haben die Münchner Herren mittlerweile fest in ihrem Terminkalender vermerkt. Weil die Münchner Kunstexpertin hier Netzwerken und Kunstgenuss miteinander vereint. Diesmal lud sie in die Antikensammlungen.

Sonja Lechner weiß, wie man Menschen zusammenbringt. Sie tut das seit Jahren bei ihrem Ladies Art Lunch, und tat‘s nun wieder beim Gentlemen Art Lunch - dem männlichen Pendant gewissermaßen. Das Ziel ist, ob sie nun 100 Frauen oder 100 Männer einlädt, stets dasselbe: Sie sollen einander kennenlernen und über den Tag hinaus im Austausch bleiben. Denn das ist das Phänomen Sonja Lechner: Ihr gelingt es, Menschen zu vernetzen, die unter Garantie inspirierend aufeinander wirken - damit es nicht beim Visitenkartentausch bleibt, sondern nach dem Event auch tatsächlich einander angerufen und getroffen wird.

Netzwerke, die weltweit etwas bewirken

„Warum ich Sie eingeladen habe, liegt in der simplen Tatsache begründet, dass ich an die Kraft von Netzwerken glaube – ich glaube daran, dass Menschen, die Entscheidendes bewirken, dass Gestalter und Macher, die die Welt in ihrem Bereich ein Stück weit verändern, die Eigenverantwortung vor einen Anspruch an Staat und Gesellschaft stellen, im Zusammenkommen ihr Wirken potenzieren können“, sagt die Einladende selbst in ihrer Rede. Da nicken die Herren wissend. Von Michael Amberger (Allguth Tankstellen) bis Moritz Freiherr von Crailsheim (Kunstsammler) wissen hier ja alle: Gemeinsam ist man stärker. Und kann weltweit etwas bewegen.

100 Gentlemen trafen sich zum Lunch in den Münchner Antikensammlungen.
100 Gentlemen trafen sich zum Lunch in den Münchner Antikensammlungen. © Heigl

Manchmal nur durch den Klick auf „Senden“ im eigenen E-Mail-Programm. So ging es Sonja Lechner, als sie auf den Hilferuf einer befreundeten ukrainischen Künstlerin ihrerseits eine Bitte um Unterstützung in die (virtuelle) Welt schickte. Medizinisches Material wurde in Kiew benötigt; Lechner ließ sich eine Liste der fehlenden medizinischen Geräte schicken und sendete sie an jeden aus ihrem Bekanntenkreis, der in irgendeiner Weise im ärztlichen Bereich tätig ist oder seinerseits Kontakte in die Branche hatte. Eine E-Mail - und ein Rücklauf, der die engagierte Netzwerkerin überwältigte. Und so appellierte Lechner an die sichtlich beeindruckten Herren, die eigenen Kontakte ebenfalls häufiger über das schnöde Geschäft hinaus für humanitäre Zwecke zu nutzen. „Begreifen wir das Leben nicht mehr nur als Geschenk, sondern auch als Aufforderung, als Aufforderung an jeden einzelnen von uns, seinen individuellen Beitrag zu leisten im Verbund mit anderen!“ So wie es ihr Papa sie einst gelehrt hat. „Der beste Vater von allen – meiner – schrieb mir in der ersten Klasse den Satz von Erich Kästner in meine Poesiealbum, der all dies zusammenfasst: ,Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!´ – packen wir es an!“

Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!

Wie sehr sie mit diesem Satz den Nerv der Zeit getroffen hat, merkt, wer den Gesprächen an den Tischen lauscht, die in den Antikensammlungen München aufgestellt sind. Umgeben von Vitrinen mit kostbaren altertümlichen Vasen unterhalten sich die geladenen Herren über das, was gerade in der Ukraine - und in allen Kriegsgebieten dieser Welt passiert. Kann Kunst, kann Kultur dagegen etwas ausrichten? Michael Amberger glaubt fest an die Kraft, die in Kultur liegt. Wie berichtet, verwirklichen er und sein ebenso kulturverrückter Bruder Christian, im Hauptberuf Inhaber der Mineralölfirma Allguth, in Aubing, im Gleisdreieck zwischen den Bahnhöfen Leienfelsstraße und Langwied, gerade ihren Traum: Auf dem 20 000 Quadratmeter großen Gelände soll das Kulturzentrum Bergson entstehen. Ein multikulturelles Zentrum, in dem man quasi den ganzen Tag verbringen kann – dank Restaurant, Galerie, Konzertsaal, Biergarten, Live-Club, Tagesbar und anderer flexibel nutzbarer Räume. Die Brüder wissen: In München fehlt es an Szenekneipen, in denen sich gerade auch junge Künstlerinnen und Künstler treffen können - und Kontakte knüpfen mit Galeristen, Etablierten, potenziellen Mäzenen. „Wir möchten solch ein Treffpunkt sein“, sagt Michael Amberger. Denn wie wichtig Netzwerke sind, das hat jeder gespürt, der an diesem Nachmittag beim Gentlemen Art Lunch dabei war. Von Bayerns Justizminister Georg Eisenreich bis Fritz Esterer (Vorstand WTS). Wenn gestandene Herren Visitenkarten tauschen wie als Buben einst Panini-Karten, dann muss es Sonja Lechners Art Lunch sein.

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