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München: Atelierbesuch bei Katharina von Werz - Kunst, die glücklich macht

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Von: Katja Kraft

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Die Münchner Künstlerin Katharina von Werz in ihrem Atelier in Bogenhausen
Ihre Augen leuchten so blau wie die Farben auf ihrem Maltisch: Katharina von Werz im Atelier. © Oliver Bodmer

Das Buchheim Museum der Phantasie in Bernried am Starnberger See zeigt derzeit fantastische Werke der Münchner Künstlerin Katharina von Werz. Am 20. März 2022 lädt das Haus zu einer Podiumsdiskussion ein. Wir haben die große Malerin und Bildhauerin in ihrem Haus in München besucht. Ein Gesamtkunstwerk.

Und mit einem Mal glaubt man wieder an das Gute in der Welt. Ein Besuch bei der Künstlerin Katharina von Werz in Bogenhausen. Ihr Mann Franz Moll öffnet die Gartentüre. Die beiden sind seit 60 Jahren verheiratet. Es müssen 60 Jahre voller Lachen, Leben, Liebe gewesen sein. Die Erinnerung daran ist eingefangen in den Lachfältchen, die ihre Augen umspielen – und in Katharina von Werz’ Kunst. Gerade ist sie im Buchheim Museum in Bernried am Starnberger See zu sehen. Das Haus feiert die Malerin und Bildhauerin mit einer Retrospektive. Das Museum der Phantasie – es könnte keinen passenderen Ort für von Werz’ fantastisches Œuevre geben. Denn sie ist eine Meisterin darin, die Vorstellungskraft der Betrachter mächtig in Gang zu setzen.

Katharina von Werz und ihr Ehemann Franz Moll in ihrem Wohnzimmer
Seit 60 Jahren verheiratet: Katharina von Werz und Franz Moll in ihrem Wohnzimmer. © Oliver Bodmer

Mal mehr, mal weniger klar lässt sie Figuren in ihren oft farbintensiven Bildern durchschimmern. Und es ist ein großer Genuss, sich ganz und gar darauf einzulassen. Zu rätseln: Welche Geschichte verbirgt sich hinter den Farben? Der dynamische Wirbelwind auf vier Beinen vor einer Stadt-Silhouette beispielsweise: wie Mann und Frau, die sich in irrsinniger Geschwindigkeit im Kreis drehen; der Welt gemeinsam entfliehen. Ein Blick auf den Bildtitel: „Tanz vor der Stadt I“ (2010). Mitreißend ist das.

Am Sonntag, 20. März 2022, lädt das Museum um 15 Uhr zu einer Podiumsdiskussion mit Katharina von Werz ein. Zusammen mit Kunstmarktexpertin Eva Karcher, dem Kurator für Gegenwartskunst in der Pinakothek der Moderne, Bernhart Schwenk sowie Museumschef Daniel J. Schreiber wird über die Ausstellung gesprochen.

Vor Bildern wie diesem im Buchheim Museum trifft man die Künstlerin das erste Mal. Dann erzählt sie von daheim. Dass sie sich, seitdem die drei Kinder – zwei Söhne, eine Tochter – aus dem Haus sind, immer mehr ausbreite mit ihrer Kunst. Dass die Familie die Mama schon necke, sie sei ein „Kunst-Messie“. „Sie können es sich gern anschauen und das selbst beurteilen“, sagt sie – und natürlich nimmt man diese Einladung sofort an. Tags drauf also der Besuch in München. In diesem Haus voller Leben. „Villa“, das klingt so steif und feudal. Abgehoben. Doch das Einzige, was hier abhebt, sind die kreativen Gedanken. Sie fliegen durch die Räume und übertragen sich sofort auf jeden, der eintritt.

In Katharina von Werz‘ Ausstellung im Buchheim Museum Bernried: die Künstlerin und Kultur-Redakteurin Katja Kraft.
In Katharina von Werz‘ Ausstellung im Buchheim Museum Bernried: die Künstlerin und Kultur-Redakteurin Katja Kraft. © kjk

Der Parkettboden erinnert an die Kinder, die „eine Zeitlang immer mit Rollschuhen durch das Wohnzimmer gesaust sind“. Die Möbel und Werke erzählen von den Menschen, die hier ein- und ausgegangen sind. Was müssen das für fabelhafte Feste gewesen sein! „Manchmal mit bis zu 100 Leuten“, erinnert sich Franz Moll und schaut schmunzelnd in den großen Wohnbereich im Erdgeschoss. Darin: Fotografien von Stefan Moses (1928-2018), Bilder von Rupprecht Geiger (1908-2009), Skulpturen von Lothar Fischer (1933-2004). Alles Freunde des Paares. Alles Kollegen von Katharina von Werz. Deren Bilder und Skulpturen hängen, stehen, liegen überall. Aus sämtlichen Schaffensphasen bunt zusammengewürfelt. Der Kurator war der Zufall – und der hat hier klammheimlich eine exzellente Schau geschaffen.

Wer durch Flur und Atelier, Wohn- und Esszimmer, Gartenhaus und Keller läuft, der entdeckt die verschiedenen Stile, die von Werz beherrscht. Sie hat sich inspirieren lassen – vom Blick in die Natur, direkt vor den großen Atelierfenstern, und von ihren „Heroen“. Veronese, Tizian, Delacroix, Willem de Kooning, Frank Auerbach. Oder auch einer bedeutenden Frau: Gabriele Münter. 1962 starb die Expressionistin, Katharina von Werz hat sie noch persönlich kennengelernt. Es ist eine der vielen Anekdoten, die sie und ihr Mann erzählen können – und bei jeder denkt man sich: Wie gern wäre man dabei gewesen.

Ein Bild von Gabriele Münter, das diese Katharina von Werz geschenkt hat
Gabriele Münter schenkte Katharina von Werz einst dieses Bild. Und dankte ihr in ihrer Widmung für „einen anregenden Besuch“. © Oliver Bodmer

„Das war 1960, damals war ich ein junges Mädel“, erinnert sich die heute 82-Jährige an die Begegnung mit der Münter. „Mein älterer Halbbruder hatte von seinem Vater 500 Mark geerbt. Und davon wollte er sich nun ein Werk von Gabriele Münter kaufen. Zusammen mit einem Freund von ihm hat er beschlossen, zu ihr aufs Land zu fahren. Und ich durfte mit.“ Genau erinnert sie sich an das kleine Häuschen, dessen Eingang so hübsch bemalt war. „Da sind wir in das Dachstübchen gegangen, und sie hat einen ganzen Haufen Bilder vor meinem Bruder ausgebreitet.“ Der Kauf gelang, man unterhielt sich angeregt mit der Dame, die damals ein bisschen älter war als Katharina von Werz heute. Und wenig später erreichte sie ein Päckchen der Künstlerin. Darin ein Bild in derselben Größe und im selben Format wie jenes, das ihr Bruder gekauft hatte. Und darauf die Widmung: „Für Katharina von Werz. Nach einem anregenden Besuch 29. März 1960. Mit Grüßen von Gabriele Münter.“ Mit leuchtenden Augen erzählt von Werz das. Und man erkennt das junge Mädel in ihr.

Katharina von Werz ist immer ihren eigenen Weg gegangen

Sie selbst wusste immer schon, dass sie einmal Künstlerin werden wollte. Es lag ihr im Blut: Ihr Großvater mütterlicherseits zählte zu den bekannten Salonmalern und Porträtisten Münchens. Ihr Vater Helmut von Werz machte sich als Architekt einen Namen. Ihre Mutter war Ärztin, operierte selbst – Anfang des 20. Jahrhunderts außergewöhnlich für eine Frau. Auch die Brüder und sonstigen Verwandten waren allesamt Akademiker – die meisten Ärzte und Architekten. „Doch das war nichts für mich. Meine Eltern haben mich immer unterstützt in meinem eigenen Berufsweg. Haben mich viel gelobt. Loben und ermuntern ist so wichtig! Das darf man nicht unterschätzen“, sagt sie. An der Akademie für das Graphische Gewerbe München und im Anschluss an der École des beaux-arts Genf lernte von Werz ihr Handwerk. Und arbeitet seither jeden Tag.

Manchmal will sie die Farben einfach fließen lassen. Ohne Konzept. Jede Form, die auf der Leinwand, auf Pappe, auf Holz („Ich nehme, was mir gerade in die Hände kommt“) entsteht, inspiriert sie in diesen abstrakten Arbeiten zum weiteren Verlauf. Wie ein Garten, in dem es sprießt. Kunterbunt ist der. Und wer hineingeht, der kommt am Ende ein bisschen fröhlicher heraus.

Bis 24. April 2022 ist „Katharina von Werz. Tanz vor der Stadt“ im Buchheim Museum, Am Hirschgarten 1, Bernried zu sehen. Di.-So.: 10-17 Uhr. Am 20. März 2022 gibt es um 15 Uhr eine Podiumsdiskussion in der Ausstellung mit Katharina voN Werz. Weitere Infos gibt es hier

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