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Blick über den Kunsthallen-Rand: Installation von Lukas Dürr und Aron Foltin.

Das Herrchen zum Affen gemacht

München - Mensch, Tier und Kunst suchen neue Horizonte: Die Gruppenausstellung „5x2“ in der Münchner lothringer 13

Eine plüschige Giraffe steht auf einer Hängebrücke. Das Tier bricht mit dem Kopf durch die Decke. Vielleicht bekommt man so den nötigen Blick über den Münchner Kunsthallen-Rand? Das jedenfalls will die Ausstellung in der lothringer 13 zeigen. Fünf lokale Künstler haben fünf Kollegen aus anderen Städten eingeladen, Position zu beziehen. Lukas Dürr und Aron Foltin haben das als Einzige gemeinsam getan: Hinter der Giraffe spielt ein Musikvideo mit seltsam religiösem Touch. Hier suchen Mensch, Tier und Kunst neue Horizonte. Der Rest der Gruppe „5x2“ hat für sich gestaltet: Leonie Felle erweitert den Hallenblick um ein Leuchtfenster und gaukelt neue Perspektiven vor. Simone Zaugg verweist mit ihren internationalen Arbeitsliedern, die die wenigsten wohl als solche noch erkennen, darauf, dass Kunst eben auch lange Arbeitsprozesse und oft Verfremdung beinhaltet.

Dana Lürken lotete genau diesen Effekt – und die Stabilität der Wahrnehmung – aus: Während die Hälfte der langen Tafel auf einem Tischgestell ruht, ist es beim zweiten Teil nur das gestärkte Tischtuch, das Haltung bewahrt. Eine knifflige Idee, die noch viele Seitenhiebe auf Funktion und Design, auf Verhüllung und Entleertheit zulässt. Dahinter baumeln seltsame Morgensterne von der Decke. Es sind Stuhlbeine oder Glashüllen, die den Anschein einer martialischen Waffe ad absurdum führen. Genauso irritieren die Türen aus veredeltem, künstlerisch gefaltetem Schrott: Regine Müller-Waldeck setzt auf Widersprüche von ursprünglicher und künstlerischer Bewertung.

Neben den Installationen können vor allem die drei Fotografen überzeugen: Johannes Naumann hat ein Bild von Vietnam jenseits der Klischees festgehalten. Die eigenwillige, zeitlose Farbgebung, die matte Druckqualität sind malerisch – zeigen aber Alltagsleben auf der Straße. Banale Momente von ewiger Schönheit. Kristin Barthel hat solche Momente und ihre verbindenden Strukturen auf der ganzen Welt gesucht und verglichen. Während Ulrich Gebert den Bildern jeglichen Sinn raubt: Er hat das Spiel des Menschen mit dem Tier fokussiert, allerdings die Tiere eliminiert. Übrig geblieben sind skurrile, amüsante, sinnlose Gesten, die das Herrchen zum Affen machen. Vom Rest sticht Amir Rezaloo deutlich ab. Er hat seine iranische Heimat thematisiert. Da wird gezeigt, wie Geldscheine als Kommunikationsmittel vor der Präsidentschaftswahl 2009 genutzt wurden. Kleidung ebenso wie Rituale dienen der kritischen Reflexion. Die mit Betonklötzen versehenen Bonsais lassen viele Interpretationen zu. So wie die ganze Ausstellung ein reger Gedankenfluss ist.

Freia Oliv

Bis 2. September,

Lothringer Str. 13, Telefon 089/ 448 69 61.

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