München blamiert sich international

- "Die Freiheit der Kunst dem Populismus zu opfern, bedeutet, sie überhaupt abzuschaffen." Die Fachjuroren der Kommission "Freie Kunst im öffentlichen Raum" schlagen mit einem Offenen Brief an Oberbürgermeister Christian Ude und einer Pressekonferenz zurück: Von der SPD- und Grünen-Fraktion inklusive Kulturausschuss war vor einer Woche deren Votum schlicht ignoriert worden, als man neun Kunst-Vorschläge (Phase zwei des so genannten Pilotprojekts) komplett ablehnte. Und in der heutigen Vollversammlung wird wohl Gleiches geschehen. Die Räte hätten sich nicht informiert, nicht einmal bei der Fachjury nachgefragt, so die zornigen Kommissionsmitglieder.

<P>"Im Blick auf die populistische Wirkung wird Zensur ausgeübt."<BR>Offener Brief</P><P> Darunter Florian Matzner (Kunst-Akademie): "Das kennt man nur von Haider oder Berlusconi; in einer Stadt wie München hätte ich das nie für möglich gehalten." Und Theater/Internet-Mann Alexeij Sagerer: "Das ist ein radikaler inhaltlicher Wechsel, der tödlich ist. Dieser Stadtrat hat der Kommission die Arbeit aufgekündigt."<BR><BR>Um die Kunst im öffentlichen Raum gibt es seit Jahren Querelen: Ursache dafür ist die unklare Haltung der Kulturreferentin Lydia Hartl. Sie verzögerte das gesamte Verfahren, sodass sehr viel Geld verfiel; setzte auf Druck eine Jury ein, der aber Eigennutz unterstellt werden musste; versuchte es erneut - auf Wunsch des Stadtparlaments - mit einer 23-köpfigen Kommission (inklusive Stellvertreter: 13 Fachleute, zehn Stadträte). Ein extrem schwerfälliger Apparat also; überall sonst entscheiden Kurator oder ein Team über die Kunst-Ziele. Außerdem muss der Stadtrat, der in Kunstdingen aber nicht kompetent ist, die Projekte befürworten.<BR><BR> Sieben davon (erste Phase) passierten problemlos die Gremien. Die zweite Phase mit neun Ideen sei mit fadenscheinigen Argumenten gestrichen. Das Geld geht an die Museen. Groß ist die Enttäuschung der Fachjuroren: Nicht nur, dass ihre Erfahrungen missachtet und sie schäbig behandelt wurden, sondern auch, dass ihre Intention, ein "Gesamtpaket" aus 16 Arbeiten der Stadt zu übergeben, nun scheitert. </P><P>Christoph Wiedemann (Journalist): "Es ist ein Fehler, die sieben Projekte alleine zu realisieren." Besorgnis: München blamiere sich international, zumal man angesehene Künstler vorgestellt habe.<BR></P>

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