München braucht ein Feld für Experimente

- Gespräch mit den Kuratoren der lothringer 13, Margit Rosen und Christian SchoenVor rund drei Jahren wurde in München in der lothringer 13 ein Forum für aktuelle Kunst und Neue Medien vom Kulturreferat unter Julian Nida-Rümelin geschaffen. Noch kurz vor ihrem Amtsantritt hatte seine Nachfolgerin Lydia Hartl den Kuratoren, die alle zwei bis drei Jahre wechseln, positive Signale gegeben.

<P>Christian Schoen und Margit Rosen aber sehen nach ihrem Vetragsende im April bzw. nach Ausstellungsende im Juni die Zukunft der Halle nicht nur wegen der Sparzwänge der Stadt in Gefahr.</P><P>Mit welcher Summe wird die lothringer 13 unterstützt?</P><P>Schoen: Das Budget sieht pro Ausstellung 25 000 Euro inklusive Honorare vor - wobei die Stadt mit vier großen Präsentationen rechnete. Weil das aber bei aktueller Kunst nicht akzeptabel ist, haben wir 2002 sieben Projekte verwirklicht. Für die aktuelle Ausstellung haben wir Sponsoren, sonst wäre so etwas gar nicht möglich. Darüberhinaus haben wir mit der Vermieterin gesprochen, die die Gelder für einen Monat als Sponsoring erlassen würde. Nach Monaten will jetzt der Bürgermeister darauf reagieren. Im Sommer schon haben wir Konzepte angeboten, wie man Gelder einsparen kann, aber dazu braucht man Planungssicherheit, und die haben wir nicht.</P><P>Gibt es Hinweise darauf, was Ende Juni passieren wird?</P><P>Schoen: Leider gibt es mehr Hinweise als klare Kommunikation. Wir drängen seit eineinhalb Jahren auf ein klares Konzept. Aber die lothringer wird nicht als eigenständige Institution, sondern als städtisches Projekt angesehen, das sich dann auch leichter schließen lässt. Man muss nicht groß interpretieren, was es heißt, dass das Kulturrferat letztes Jahr, als neue Kuratoren bestimmt werden sollten, den Mietvertrag gekündigt hat. Aber ohne Zustimmung des Stadtrates kann man die lothringer nicht dicht machen. Jetzt läuft der Mietvertrag bis Mai 2004. Das Kulturreferat hat nun zwei Personen angesprochen, sich mit einem Konzept als Kuratoren zu bewerben. Allerdings nur für neun Monate. Positiv formuliert, möchte sich die Stadt damit gewisse Möglichkeiten offen halten. Für viele ist aber klar, dass es das Ende bedeutet.</P><P>Gibt es in Ihren Augen gleichwertige Alternativen für junge Kunst in München?</P><P>Schoen: Was München wirklich braucht, ist ein experimentelles Feld. Wenn junge Kunst in etablierten Häusern gezeigt wird, erlaubt dieser Transfer keine Experimente.</P><P>Rosen: Das Ensemble aus einer kuratierten Halle mit Mediathek und Archiv, das Zusammenspiel von Künstlern und Kuratoren ist etwas, was man sonst kaum findet. Die Kombination ist ganz außerordentlich und zu schade, um sie zu zerstören. Thomas Schoen hat sich auch internatonal in der Szene ein enormes Publikum aufgebaut.</P><P>Das Kulturreferat hat sich doch die Förderung junger Kunst auf die Fahnen geschrieben. Gerade Lydia Hartls Steckenpferd sind die Neuen Medien. Was läuft da schief?</P><P>Schoen: Das Referat zeigt deutlich, dass es den Schwerpunkt Neue Medien nicht mehr will. Als unsere Nachfolger wurden jetzt Kuratoren angedacht, die aus anderen Themenbereichen kommen. Das Referat hatte die große Vernetzung geplant, wird sich jetzt aber auf die Fahnen schreiben müssen, alles zerstört zu haben. Am Beispiel Medienforum sieht man auch, dass es keine Sachargumente dafür gibt, sondern persönliche Gründe.</P><P>Es gab ja auch Pläne des Referats für andere, neue Medienkunst-Projekte.</P><P>Schoen: Es gibt keinen Masterplan für München. Selbst zum Lab 21 hat der Oberbürgermeister in der letzten Haushaltsberatung gesagt, es sei ein tolles Projekt, aber nicht mehr zu realisieren.</P><P>Heißt das dann in einem Jahr das Aus für die junge Kunst in München?</P><P>Schoen: Ich habe die große Hoffnung, dass sich doch die Kunstszene massiv zu Wort meldet. Mich wundert sowieso, dass das nicht schon bei der "Kunst im öffentlichen Raum" geschehen ist. Außerdem hat Christian Ude mir damals zugesichert, dass die lothringer langfristig erhalten bleibe. Seit eineihalb Jahren kämpfen wir nun. Da muss man auch den Stadtrat zur Verantwortung ziehen. Nach drei Jahren Aufbauarbeit könnten wir jetzt so richtig loslegen.</P><P><BR> </P>

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