München braucht Hadids Lamborghini

- Keine Entscheidung. Welcher Entwurf für das Münchner Brandhorst-Museum realisiert werden wird, soll erst in drei Wochen bekannt gegeben werden. Das verkündete Kunstminister Hans Zehetmair ausgerechnet bei dem Pressetermin, an dem - nach einem ersten Fehlversuch - die endgültige Wahl mitgeteilt werden sollte. Nicht weil man keine guten Lösungen gefunden hat, sondern weil es gleich zwei solche gibt, konnte die Fachjury Mitte Oktober und auch gestern kein eindeutiges Votum abgeben. Sowohl der rasante Bau der Stararchitektin Zaha Hadid, die heuer das Sprungschanzen-Café´ für Innsbruck fertig gestellt hat, als auch der seriöse Komplex des Teams Sauerbruch/Hutton fanden gleichermaßen Zuspruch. Von vier ersten Preisträgern waren diese Büros übrig geblieben, mussten jedoch ihre Vorschläge überarbeiten: bessere Lichtführung, Hängungsmöglichkeiten etc.

Die Verbesserungen erwiesen sich als gleichwertig, sodass die Aussagen der Jurymitglieder erneut auf ein Patt hinausliefen. Zehetmair unterstrich, dass "ein knappes Votum keine Grundlage für eine staatliche Entscheidung" sein dürfe. Der Staat suche den Konsens mit dem Stifter Horst Brandhorst, nachdem letzte Sachfragen - vor allem der Kosten - mit der Obersten Baubehörde geklärt worden sind.<BR> <BR>Die Pressekonferenz machte deutlich - auch wenn niemand offen zu seiner Meinung stehen wollte -, dass es nicht mehr um Fachentscheidungen, sondern um Geschmacksfragen geht: egal ob in städtebaulicher oder ob in musealer Hinsicht. Klar wurde auch, dass Hadids Entwurf die meisten fasziniert. Sie haben aber Angst vor der eigenen Courage. Eine typische Reaktion auf Hadids pfiffige Architektursprache. Nun ist "ihr" Brandhorst-Museum, das von einer elegant <BR>geschwungenen "Klamm" durchkurvt wird, kein baukünstlerisches Schreckgespenst. Schon eher ein Erlebnis-Museum. Nur ist man in München halt etwas frechere Architektur nicht gewöhnt, weil hiesige Bauherren inklusive Stadt und Staat zu fantasielos sind. So sehen die Neubauten dann auch aus. Zaha Hadids schnittiger Lamborghini täte infolgedessen sowohl unserem Stadtbild, als auch der aufregenden Brandhorst-Sammlung besser als ein grundsolider Mercedes. Gesittet sind ja schon Neue Pinakothek und die der Moderne, da dürfte es jetzt etwas Aufregenderes sein. Hoffentlich hat wenigstens der Sammler Brandhorst den nötigen Mut.<BR>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Rea Garvey auf dem Tollwood: Glücklichsein ist so einfach
Von Jung bis Alt können sich die meisten Musik-Fans auf Rea Garvey einigen. Woran das liegt, zeigt er bei seinem Auftritt auf dem Tollwood. Die Nachtkritik.
Rea Garvey auf dem Tollwood: Glücklichsein ist so einfach
Jonas Kaufmanns Otello: Nur ein Seitensprung
Diesem Debüt hat die Opernwelt entgegengefiebert: Jonas Kaufmann singt in London erstmals die Titelrolle von Verdis „Otello“. So ganz passt die Partie nicht zu ihm.
Jonas Kaufmanns Otello: Nur ein Seitensprung
Verschwitzte Sommernacht mit „The Whiskey Foundation“ im Strom
Verschwitzte Sommernacht mit „The Whiskey Foundation“ im Strom
Glut in der Zwiebel
Zum Auftakt des Münchner Filmfests wird der erste Dokumentarfilm über Bud Spencer uraufgeführt.
Glut in der Zwiebel

Kommentare