+
Archivfoto: Sänger Joey Burns von der US-amerikanischen Band Calexico

Konzert-Kritik

Calexico in der Muffathalle: Auf der Bühne war der Sound wohl großartig ...

  • schließen

Calexico spielte in der Muffathalle. Es durfte sogar mitgeklatscht werden, doch der Hallensound trübte das Vergnügen. 

Es ist gewissermaßen Tradition geworden, dass die Veranstalter sehr früh ein „Ausverkauft!”-Schild an den Ticket-Kiosk hängen dürfen, sobald Calexico in die Stadt kommen. Die aus Arizona stammende Truppe um Gitarrist Joey Burns und Schlagzeuger John Convertino verfügen über einen treu ergebenen Fankreis. 

Zurück zu den Indie-Rock-Wurzeln

Entsprechend freudig erwartete man das live zum Oktett erweiterte Duo in der Muffathalle. Und man hoffte auch ein bisschen auf Klärung, wie sich die recht heterogenen Songs des neuen Albums „The Thread That Keeps Us” in Verbindung mit den Calexico-Klassikern machen. 

Konzertkritik zu Belle and Sebastian in München: Die Glücklichmacher aus Glasgow

Ein abschließendes Urteil fällt aus zwei Gründen schwer. Zum einen, weil sich eine seriöse Einordnung angesichts des indifferenten, drucklosen und merkwürdig verhaltenen Hallensounds verbietet. Zum anderen, weil die Band viele ihrer soundtrackhaften Tex-Mex-Staubfolk-Klassiker gar nicht erst spielte, sondern eher selten Gehörtes stilistisch passend zu den Songs des neuen Albums arrangierte – was an sich nichts Schlechtes ist. Burns & Convertinos Interesse galt diesmal eben ihren Indie-Rock-Wurzeln, was bisweilen schön ungestüm ums Eck kam und mal an die „Eels”, an die „Queens Of The Stone Age” oder sogar an die „Pixies” erinnerte. 

Der Funke wollte nicht zünden

Obwohl sich „Calexico”-Frontmann Burns zwischen den Songs in Bestlaune zeigte, die Muffathalle als eine der weltweit besten Konzerthallen lobte, Anekdoten erzählte und sich zum Erstaunen treuer Fans sogar in Mitklatsch-Animation übte, wollte der Funke bisweilen nicht zünden. Wenig verwunderlich, schließlich können auch Calexico ohne hörbare Gitarren nicht rocken. 

Konzertkritik zu Gisbert zu Knyphausen: „Die Welt ist grässlich, aber wunderschön“

Auf der Bühne muss der Sound großartig gewesen sein: Die musikalisch über jeden Verdacht erhabenen Band-Mitglieder, etwa Trompeter und Nada-Surf-Kollaborateur Martin Wenk und Gitarrist Sergio Mendoza, arbeiteten nahtlos zusammen. So gab’s auch immer wieder großartige Calexico-Momente, vor allem dann, wenn bläser- oder akustikgitarrengestützte Songs mit viel Latin-Einflüssen auf dem Programm standen: zum Beispiel „Across The Wire”, „Crystal Frontier”, „Flores y tamales” oder die letzte Zugabe „Güero canelo”.

Christoph Ulrich

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Waltraud Meier: „Ich will intelligent gefordert werden“
Ein letztes Mal kehrt Waltraud Meier zu den Bayreuther Festspielen zurück - nach 18 Jahren Abstinenz. Ein Gespräch über ihr Comeback, den Abschied von Rollen und über …
Waltraud Meier: „Ich will intelligent gefordert werden“
Das Residenztheater bietet der Welt eine Bühne
Die Welt zu Gast bei Freunden: An diesem Wochenende hat „Welt/Bühne“ Premiere im Marstall. Wir sprachen über das internationale Autoren-Projekt mit Sebastian Huber, …
Das Residenztheater bietet der Welt eine Bühne
Kris Kristofferson im Circus Krone: Country und Folk im Punkrockformat
Am Dienstag speilte Kris Kristofferson im nicht ganz ausverkauften Circus-Krone. Statt vieler Ansagen gab es ein ambitioniertes Pensum an Songs. Trotzdem fehlte dem …
Kris Kristofferson im Circus Krone: Country und Folk im Punkrockformat
Weltkino mit rabenschwarzem Humor
158 Produktionen aus 43 Ländern sind beim Münchner Filmfest vom 28. Juni bis 7. Juli zu sehen – der Vorverkauf hat begonnen.
Weltkino mit rabenschwarzem Humor

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.