Szene aus dem Musical „Flashdance“ am Deutschen Theater München.
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Mit guter Laune zurück in die Achtziger: Das „Flashdance“-Ensemble erobert die Bühne des Deutschen Theaters.

Premiere in München

„Flashdance“ im Deutschen Theater: Hier tanzt die Leidenschaft

„Flashdance“ ist zurück im Deutschen Theater München. Gerade hatte das Musical nach dem Kultfilm von 1983 Premiere. Lesen Sie hier unsere Kritik:

Okay, eine gute Portion Nostalgie schwingt wohl auch mit, wenn am Ende der „Flashdance“-Premiere im Deutschen Theater München im Parkett lautstark mitgefeiert und sogar vorsichtig mitgetanzt wird. Doch wenn man darüber nachdenkt, präsentiert dieser Musical-Abend durchaus eine immer noch überraschend aktuelle Geschichte. Schließlich steht nicht zuletzt die Frage im Raum, ob es sich wirklich lohnt, an seine künstlerischen Träume zu glauben – oder ob es nicht vielleicht besser wäre, einen systemrelevanten Beruf zu ergreifen. Die Antwort von „Flashdance“ ist natürlich ein überzeugtes und optimistisches Ja zum Träumen.

„Flashdance“: Der Film kam 1983 in die Kinos

Wie im gleichnamigen Kultfilm von 1983 zweifelt auch jetzt niemand im Publikum ernsthaft daran, dass die toughe Schweißerin und Teilzeit-Go-Go-Tänzerin Alex am Ende tatsächlich dem Fabrik-Job entkommen und an der Ballettakademie ihrer Träume aufgenommen werden wird. Und das ist auch gut so! Hin und wieder braucht es nämlich positive Geschichten wie diese.

Überlebt haben neben der aufmunternden Botschaft selbstverständlich auch einige Ohrwürmer aus dem Grammy-gekrönten Soundtrack, etwa „Gloria“, „Maniac“, „I love Rock’n’Roll“ oder „What a Feeling“. Die übrigen Songs, mit denen Komponist Robbie Roth die Geschichte aufgepeppt hat, fügen sich mit nostalgischem Achtzigerjahre-Sound bestens ein, obwohl die eine oder andere neue Nummer entbehrlich gewesen wäre. Trotz manchem Füller, der die übersichtliche Story auf abendfüllende Länge streckt, gibt es dennoch kaum Durchhänger in der von Regisseur Christoph Drewitz straff und temporeich inszenierten Show. Dafür sorgen unter anderem das flexible Bühnenbild von Adam Nee und die Choreografien von Kerstin Ried, die zwar die ikonischen Szenen des Films heraufbeschwört, diesen aber durchaus hin und wieder einen eigenen Twist verleiht.

Veronika Hammer steht im Zentrum von „Flashdance“

Im Zentrum steht Veronika Hammer, die man aufgrund ihrer sympathischen Ausstrahlung und viel Power auf den Stimmbändern einfach ins Herz schließen muss. Sie verkörpert die selbstbewusste junge Frau, die ihre männlichen Kollegen bei jedem Wortgefecht schlagfertig in die Schranken weist, ebenso glaubwürdig wie sie ihre Alex als tänzerischen Rohdiamanten funkeln lässt. Und das obwohl der eine oder die andere im Ensemble sichtbar mehr klassische Balletterfahrung mitbringt. Ein „Manko“, das allerdings perfekt zu ihrer Rolle passt.

Die Inszenierung im Deutschen Theater beschwört die ikonischen Bilder des Kultfilms von 1983 herauf.

Die Chemie zwischen Hammer und Nick Wuchinger stimmt ebenfalls, der als Nick anfangs den Sohn reicher Eltern raushängen lässt, durch seine Beziehung mit Alex aber das wahre Leben kennenlernt und zeigen darf, dass er nicht nur wunderbar Balladen schmalzen kann. Außer Wuchinger hat Hammer in Susanna Panzner zum Glück eine zweite starke Partnerin, die in der Rolle der ruppigen, aber gutherzigen Mentorin Hannah Klischees geschickt umschifft und es in ihren Dialogen mit Alex trotz manchem Kalauer immer wieder menscheln lässt. Dass ausgerechnet die große Audition-Szene am Ende etwas verpufft, mag da der Premieren-Nervosität geschuldet gewesen sein und ist spätestens dann wieder vergessen, wenn das Ensemble zum Finale noch einmal gemeinsam „What a Feeling“ anstimmt und damit auch die 375 zugelassenen Musical-Fans aus den Sitzen reißt.
Tobias Hell

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