München ist großartig

München - Die Schau "Favoriten 08" stellt im Kunstbau des Lenbachhauses eine Auswahl von Werken junger Münchner Künstler vor.

Malerei darf wieder sein - das ist der erste Eindruck, wenn der Besucher die Rampe hinunterschlendert in den Kunstbau. Zuvor aber hatte ihn schon im Zwischengeschoss des U-Bahnhofs ein flirrend farbiges Wandgemälde begrüßt, das sich wie ein Film zu bewegen scheint. In Wirklichkeit aber hat Katharina Gaenssler (1974 geboren) mit vielen, vielen Einzelfotos, die gewissermaßen als Pixel fungieren, einen Saal des Blauen Reiter aus dem Lenbachhaus heruntergeholt in die Ausstellung mit junger Münchner Kunst. Sie hat damit die Betrachter getratzt und zugleich den Kollegen von einst ihre Reverenz erwiesen.

Kurator Matthias Mühling (mit Felix Prinz) weist darauf hin, dass man für das zweite "Favoriten"-Projekt nach 2005 nur neue Arbeiten genommen habe. Alle 14 Künstler haben "zusammen mit dem Lenbachhaus" ihr Konzept entwickelt. Darüber hinaus wollte man unterschiedliche Medien präsentieren - schön gemischt. Eine Themenausstellung sei das nicht, und natürlich gebe es "deutlich viel mehr interessante Künstler in München" als die nun hier Gezeigten.

Dennoch kann man bei "Favoriten 08" einen roten Faden erkennen, der bei den meisten Werken zu Tage tritt: Es ist der Hang zur Fantasmagorie. Motoko Dobashi (1976) überzieht die graue Wand mit einer schwarz-weißen Zeichnung, die eine melancholische, kantige Landschaft mit einem geschwungenen Kirchenschiff-Gerippe kombiniert. Darüber gestreut sind aufgeklebte Quadrate, die wie seltsame Flugkörper wirken. Die Verunsicherung des Auges treibt Christoph Brech (1964) noch weiter, wenn Gesichter beinahe unmerklich ineinander übergehen. Alter, Geschlecht, Individualität werden bedeutungslos.

Unheimlich sind Elke Härtels (1978) Plastiken und Zeichnungen, etwa die bedrohlich an eine nackte Frau heranschleichenden riesigen Nasenbären. In diese Gefilde der Düsternis passen Sebastian Daceys (1982) blutige, aber bewachsene Stümpfe. Seine anderen Bilder sind hingegen noch recht schwach. Auch bei Justin Almquist (1976), der sich an Vorbild Franz Ackermann orientiert, und bei Berthold Reiß, der auf Dekoratives à la Kirchenfenster und Bilderbuchillustration setzt, wird klar, dass sie sich ihren individuellen Weg erst bahnen müssen. Nur Emanuel Seitz (1973) ist sich mit der abstrakten, nur der Macht der Farbe und des Pinsels folgenden Malerei seiner Sache sicher. Die acht Gemälde schildern den Wechsel von wolkiger Lockerheit und strenger Verdichtung.

In dreidimensionale Fantasmagorien entführt Klaus Auderer (1968), der in einem Bretterverschlag ein Killer-Mobile mit Pistolen und sonstigen Schießprügeln eingerichtet hat. Auch Bo Christian Larsson droht: mit Wurfmessern und Galgen, allerdings in einem feinsäuberlich schwarz und weiß gestylten Ambiente.

Mehrschichtiger, weil gesellschaftlich wach, sind die Arbeiten von Andrea Faciu, (1977), Frank Stürmer (1972), Benjamin Bergmann (1968) und Ralf Westhoff (1969). Faciu löst - poetisch und subversiv - in einer Installation Stars and Stripes einfach auf. Die Sterne sind gefallen. Stürmer zeigt im Video herzberührend die Einsamkeit und Verletzlichkeit des alten Menschen. Exzellent ist Bergmanns Idee, einige vergammelte und doch schimmernde Fassadenplatten des Palastes der Republik (DDR) als Spiegelwand vor uns Besucher zu setzen. Und auch die fiktive Befragung (Kammerspiele-Schauspieler) von Westhoff - er wurde durch den Film "Shoppen" bekannt - reflektiert im Grunde uns selbst: mit "Munich is great".

Bis 21. September,

Tel. 089/ 23 33 20 00,

im Kubus am Petuelpark zeigt K2ao eine "Oper".

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