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Wolfgang Haffner verrät die Besetzung seiner Dreamband

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Von: Michael Schleicher

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Jazz-Schlagzeuger Wolfgang Haffner im Porträt.
„Ich lebe meinen Traum. Jeden Tag aufs Neue“, sagt Schlagzeuger Wolfgang Haffner. © Antje Wiech

„Träume sind Schäume“, plappert der Volksmund – und liegt falsch. Der Beweis: Jazz-Schlagzeuger Wolfgang Haffner, 1965 in Wunsiedel geboren. Kurz vor Start der Tour mit seiner Dreamband nimmt Haffner sich Zeit für ein Gespräch übers Träumen und Albträumen.

Der Künstler sagt über sich, dass er seine Träume lebe, und hat gerade eine hochkarätig besetzte Dreamband um sich geschart. „Ein kleines Wunder“ nennt er die Formation, die in dieser Zusammensetzung wohl nicht allzu oft zu erleben sein wird. Derzeit tourt die Gruppe durch Deutschland. Am 24. März 2022 steht Wolfgang Haffner dann zusammen mit Bill Evans und The Spy Killers auf der Bühne der Jazzwoche Burghausen.

Wie sehen Ihre Träume als Musiker aus?

Wolfgang Haffner: Als kleiner Bub im Alter von sechs Jahren habe ich angefangen, Schlagzeug zu spielen, und wollte nie etwas anderes machen. Mit meiner Musik darf ich um die Welt reisen, Menschen glücklich machen – und bin dadurch selbst glücklich. Was will ich mehr? Das ist fantastisch.

Wird mit der Dreamband ein weiterer Traum wahr?

Wolfgang Haffner: Ja. Das war immer ein Traum, alle meine Herzensmusiker in einer Band zu vereinen. Dazu gab es jetzt die Gelegenheit. Also habe ich Randy Brecker, Nils Landgren, Bill Evans, Simon Oslender, Christopher Dell und Thomas Stieger, mit denen ich schon bei anderen Gelegenheiten gearbeitet habe, angefragt – und alle hatten Zeit und Lust, mitzumachen. Dass wir das zusammengekriegt haben, grenzt an ein kleines Wunder.

Das klingt zu leicht, um wahr zu sein. Jeder der Genannten ist ein Hochkaräter mit vollem Terminkalender ...

Wolfgang Haffner: In einer anderen Zeit wäre es wohl wirklich sehr, sehr schwierig, sie alle unter einen Hut zu bekommen. Aber wegen Corona sind wir sowieso alle zu Hause gesessen. Da war es relativ einfach, den Zeitraum festzulegen. Die Verfügbarkeit der Musiker war ausnahmsweise nicht das Thema, sondern die Frage, wie viele Menschen zu unseren Konzerten reindürfen – und unter welchen Bedingungen. Nun bin ich sehr gespannt, ob die Leute kommen werden. Ich habe ein gutes Gefühl – und wir alle haben richtig Bock auf diese Tour.

Lässt sich das Organisationstalent im Vorfeld einer Tour vergleichen mit der Aufgabe eines Schlagzeugers während eines Konzerts? Alle Musiker zusammenzubringen – und zusammenzuhalten?

Wolfgang Haffner: Ich kenne es nicht anders. Es gefällt mir, zu organisieren und ein Programm zusammenzustellen. So sehe ich auch die Rolle des Schlagzeugers: Bei ihm laufen die Fäden eines Konzerts zusammen. Die Dynamik einer Band wird mehr durch das Schlagzeug geprägt als durch jedes andere Instrument.

Es ist eine Kunst, die Kollegen solistisch glänzen zu lassen – und zu etwas Neuem zusammenzuspannen.

Wolfgang Haffner: Das ist vor allem dann eine Herausforderung, wenn man solche Granaten in einer Band hat: Jeder soll seine Soli haben, zugleich gibt es ein musikalisches Gerüst. Das gebe ich vor, ohne jemanden hineinzupressen. Deshalb lasse ich bewusst Freiräume, sodass sich jeder entfalten kann. Das wiederum ergibt tolle musikalische Spannungen, die sich von Auftritt zu Auftritt verändern.

So bleibt jeder Abend auch für Sie und Ihre Kollegen spannend.

Wolfgang Haffner: Genau. Ich möchte unserer Kreativität freien Lauf lassen. Verstärkt wird das durch die Tatsache, dass diese Band in dieser Zusammensetzung nach der Tour vermutlich nicht mehr allzu oft auftreten wird.

Diese Antwort führt zwangsläufig zu der Frage: Geht die Dreamband ins Studio, oder planen Sie, eines der Konzerte als Live-Album zu veröffentlichen?

Wolfgang Haffner: Ein Studioalbum ist nicht geplant, aber wir werden das ein oder andere Konzert mitschneiden. Alles andere wäre grob fahrlässig bei dieser Besetzung. Aber auch hier ist das Schöne: Nichts muss, alles kann.

Wir haben jetzt viel über Träume gesprochen. Gibt es für Sie als Musiker auch Albträume?

Wolfgang Haffner: Ich suche mir genau aus, mit wem ich arbeiten möchte. Ich bin in der glücklichen Lage, dass ich mir das erspielt habe und heute vor allem meine eigenen Sachen machen kann. Ich möchte einfach eine gute Zeit haben, bei den Proben und auf der Bühne. Alles andere interessiert mich nicht.

Das klingt zu schön, um wahr zu sein. Fliegen auf der Probe nie die Fetzen?

Wolfgang Haffner: Nein, nie. Ich sage, wenn mir etwas nicht gefällt. Das schon. Aber ich habe mir genau die Leute ausgesucht, die das musikalische Konzept, das ich mir erdacht habe, noch besser klingen lassen. Natürlich braucht es am Ende einen Kopf, der die Entscheidung trifft. Demokratie haut in einer Band nicht hin. Aber ich bin keiner, der über alle anderen Vorschläge drüberrasiert. Ich finde immer einen Weg, mit dem alle glücklich sind. Das würde nicht funktionieren, wenn es schon am Grundsätzlichen mangelt, und ich mit Musikern spielen müsste, die nicht auf meiner Wellenlänge sind.

Worüber diskutieren Sie bei den Proben?

Wolfgang Haffner: Wohin wir später zum Essen gehen. (Lacht.)

Gibt es andere musikalische Träume, die Sie sich gerne noch erfüllen wollen?

Wolfgang Haffner: Nein. Ich lebe meinen Traum. Jeden Tag aufs Neue. Mir fehlt gar nichts. Ich bin einfach nur dankbar und mit mir und der Welt im Reinen.

Gastspiel: Wolfgang Haffner ist übrigens auch als Gastmusiker auf „téchne“ (Act Music), dem aktuellen Album der Jazzrausch Bigband zu hören.

Lesen Sie hier unser Interview mit EAV-Gründer Thomas Spitzer zum Weihnachtsalbum „Ihr Sünderlein kommet“.

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