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Kadavar spielen am Mittwoch im Münchner Backstage Werk.

Kadavar im Backstage Werk

„Wir wollen die nächste Platte im Mai 2019 fertig haben“

Mittwochabend treten Kadavar im Münchner Backstage Werk auf. Im Interview spricht Sänger und Gitarrist Christoph Lindemann über die Band,  die Faszination Musik und das nächste Album.

München - Am heutigen Mittwoch (20 Uhr) gastieren Deutschlands erfolgreichste Retro-Rocker Kadavar im Münchner Backstage Werk. Mit im Gepäck: der neue, durchaus lohnende Langdreher „Live in Copenhagen“. Die tz fühlte Sänger und Gitarrist Christoph „Lupus“ Lindemann auf den Bart.

Lupus, für alle, die Kadavar immer noch nicht kennen: Warum sollte man Kadavar hören?

Christoph Lindemann: (grinst) Tja, was sagt man darauf? Wer auf handgemachte Musik steht, auf harten Rock, der oft auch ganz locker und leicht daherkommt, der ist bei uns an der richtigen Adresse. Über Schubladen wie „Retro“ oder „Stoner“ versuchen wir gar nicht nachzudenken, wir machen das, was wir selbst gerne kaufen würden.

Der Zenit des 70er-Revivals scheint überschritten. Ist es schwerer geworden, musikalisch relevant zu bleiben und Platten zu verkaufen?

Lindemann: Der Zenit ist seit drei, vier Jahren Jahren überschritten, aber wir waren früh genug dran. 2012 waren wir so ziemlich die einzige deutsche Band, die diesen Sound gespielt hat. Wer 2013 oder ’14 dazugekommen ist, der hat es nicht mehr geschafft aufzuspringen und ist im Underground stecken geblieben. Es gab sicher Bands, die besser waren als wir, aber auch das Timing muss stimmen.

Kadavar ziehen ein breites Publikum. Vom Bluesfan bis zum Metalfreak ist bei euren Konzerten alles vertreten. Sehen sie sich als Brückenbauer?

Lindemann: Das Wort ist mir zu groß. Aber wir können für manche Leute sicherlich eine Verbindung zwischen den Stilistiken sein. Wir sind mit Blues Pills getourt und danach mit Mantar - beides hat super funktioniert.

Was fasziniert Sie an der Musik der 60er und 70er?

Lindemann: Die Unmittelbarkeit und der Mut zum Unperfekten. Damals wurden noch viel mehr Alben live im Studio aufgenommen, manchmal haben den Bands zwei Tage gereicht um alles einzuzimmern. Diese Energie hörst du, Unmittelbarkeit ist nicht simulierbar.

Was weist Kadavar als deutsche Band aus?

Lindemann: Gute Frage. Wir haben keine komischen Sachen im Merchandising, keine Kaffeetassen, Bierhalter - was so Amibands oft verkaufen. Wir machen uns eher kleiner als wir sind, das ist so eine deutsche Tugend.

Was war Ihr erster Kontakt zu härterer Rockmusik?

Lindemann: Ich habe mit meinem Cousin auf derselben Etage gewohnt. Wenn er Nachtschicht hatte, bin ich in sein Zimmer und hab mir CDs zum Überspielen auf Kassette „ausgeliehen“. Anfang, Mitte der Neunziger waren das Metallica, Iron Maiden, Kreator, Sodom - viel Metal. Als ich später meinen ersten Plattenspieler gekriegt hab, hat es nicht mehr lange gedauert, bis ich auch eine große Sammlung hatte. Ein guter Kumpel in Berlin war da wie ein Mentor für mich. Er hat mir die Siebziger erklärt, viel abseitiges Zeug empfohlen – so hab ich Metal und Punk nach und nach hinter mir gelassen, weil ich gemerkt habe, dass alles was ich kannte, schon mal da war.

Was halten Sie vom Streaming?

Lindemann: Es ist Fluch und Segen zugleich. Die Halbwertszeit der Musik wird geringer. Andererseits haben Leute auf der ganzen Welt Zugriff auf unsere Alben und Songs. Es kommt wie's kommt.

Wie verteilen sich die Kadavar-Einnahmen?

Linemann: Plattenverkäufe und Konzerte sind die beiden Säulen. Das Verhältnis ist ungefähr 30 zu 70 gegen die Platten, aber das eine läuft nicht ohne das andere. Und wir haben vergleichsweise eh noch Glück. Die Hardrock und Metal-Fans sind die treuesten. Gut, Schlager und Volksmusik darf man auch nicht vergessen (lacht).

Wann dürfen wir uns aufs nächste Studioalbum freuen und was erwartet uns stilistisch?

Lindemann: Wir wollen die nächste Platte im Mai 2019 fertig haben. Stilistisch wollen wieder zurück zum ersten Album, ein bisschen mehr nach Garage zu klingen. Sich jetzt einen großem Kopf zu machen, wäre kontraproduktiv.

Wie groß sollen Kadavar werden?

Lindemann: Wenn wir auf Teufel komm raus größer werden wollten, dann hätten wir’s schon probiert. Wir sind zufrieden, so wie es ist. Immer locker bleiben.

Ludwig Krammer

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