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München: Künstlerin Isabel Ritter schafft Obst aus Bronze - köstlich!

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Von: Katja Kraft

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Bananenschale aus Bronze von der Münchner Bildhauerin Isabel Ritter
Achtung, nicht ausrutschen! Die Bananenschale sieht lebensecht aus, ist aber nicht von Mutter Natur, sondern von Isabel Ritter aus Bronze gefertigt worden. © Isabel Ritter

Diese Kunst ist köstlich! Die Münchner Bildhauerin Isabel Ritter schafft Obst für die Ewigkeit. Ihre Bananen, Orangen, Zitronen und Äpfel schauen lebensecht aus - sind aber massive Skulpturen. Ein Besuch bei Ritter im Münchner Kreativquartier.

Schuld war die schlechte Note im Religionsunterricht. Die hat Isabel Ritter den Abi-Schnitt vermasselt. Also wurde nix aus einem Architekturstudium. Der liebe Gott hatte eben anderes mit ihr vor. Welch ein Glück. Statt Gebäude zu planen, in denen Menschen wohnen können, schafft Ritter heute Kunst, die Menschen fühlen können. Die ist spritzig wie Orangen, süß wie Bananen, macht lustig wie Zitronen. Und ist gleichzeitig schwer wie Melonen. Denn das, was so lebensecht aussieht, hat in Wahrheit nicht Mutter Natur hin-, sondern Isabel Ritter in Bronze gegossen. Damit hat die Münchner Bildhauerin in diesem Jahr bereits auf der Münchner Art MUC begeistert. „Nach dem Guss sehen die Früchte sehr wild aus, ich bearbeite sie mit Sandstrahlung, schweiße, bis sie die richtige Form annehmen – und beginne dann mit der farbigen Gestaltung“, erzählt die Künstlerin. Mit feiner Acrylfarbe bemalt sie das Metall. Setzt hier ein braunes Fleckchen, dort eine grüne Fläche. Lässt die eine Bananenschale damit reifer, die andere jünger wirken. Und erhebt die reine Hülle, die sonst im Biomüll landet, zu Kunst.

Die Münchner Bildhauerin Isabel Ritter mit ihren Frucht-Skulpturen aus Bronze
Kunterbunter Obstsalat: Zitronen, Orangen, Äpfel und Bananen hat Isabel Ritter schon aus Bronze gefertigt. © Astrid Schmidhuber

Das ist durchaus ein gesellschaftskritisches Element in ihrem auf den ersten Blick so leichtfüßigen Werk. Indem die Meisterschülerin der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg potenziellen Kompost in Bronze für die Ewigkeit erhält, zeigt sie, wie kostbar das ist, was wir sonst achtlos wegschmeißen. „Die Natur schafft für all die Früchte, die sie uns schenkt, eine geniale Verpackung. Deshalb muss ich immer den Kopf schütteln, wenn ich sehe, dass geschältes Obst in Plastik verpackt im Supermarkt angeboten wird.“

Gussform für die Banane-Skulptur aus Bronze von Isabel Ritter
Alles aus einem Guss: Form für die Banane. © Astrid Schmidhuber

Seit ihrem Akademie-Abschluss 2010 beschäftigt sich Isabel Ritter, die ihr Atelier im Münchner Kreativquartier gefunden hat, mit Natur und individueller Schönheit. Hinterfragt unseren Umgang mit dem, was uns am Leben hält. Indem sie etwa ungewöhnlich gewachsenes Gemüse, das jeder Discounter sofort aussortieren würde, nachbildet; oder menschliche Körper in allen ihren Facetten aus Holz erschafft. Mit der Kettensäge, aus einem Block geschnitten. Und dann immer feiner nachbearbeitet. Wieder entstehen so Skulpturen, die einerseits massiv und gegen alle Zerstörung beständig wirken, gleichzeitig sanft und verletzlich.

Zitronenschalenskulptur von Isabel Ritter.
Sauer macht lustig: Zitronenschalenskulptur von Isabel Ritter. © Astrid Schmidhuber

Es ist ein Spiel, das Ritter sichtlich Freude macht. Wenn sie einem zum Beispiel den grasgrünen Apfel reicht, der auf ihrer Werkbank liegt. An einer Stelle hat jemand hineingebissen. Denkste. Erst als das Obst in der eigenen Hand liegt, merkt man: Auch das ist eine Bronze, detailgetreu einer echten Paradiesfrucht nachgeahmt. Der Witz entsteht nicht nur durch die Zahnspuren im Fruchtfleisch, der Witz liegt in der Materialirritation. Was nach ein paar Gramm Apfel aussieht, wiegt schwer wie ein Liter Apfelmost. Und macht genauso fröhlich.

Ein langjähriger Sammler hatte sich die Apfelvariante von Isabel Ritter gewünscht. Sie fertigte eine Edition an, schickte ihm, einem Polizisten aus Hamburg, drei Exemplare. Und freute sich sehr zu hören, dass der Sohn des Auftraggebers nicht verstand, warum man sich Obst aus München schicken lassen müsse. In diesen Zeiten. Unerhört. Schon mal was von Nachhaltigkeit gehört? Ja, gehört und gesehen. Bei Isabel Ritter: Kunst, die nachhallt.

Isabel Ritter hat ihr Atelier im Münchner Kreativquartier. Erreichbar telefonisch unter 0176 94 61 01 74 oder online hier

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