In München längst ein Selbstläufer

- Mangelndes Interesse an der musica viva beklagte ihr Chef, Komponist Udo Zimmermann, bei der gestrigen Präsentation der neuen Saison 2006/ 07 in der Münchner Villa Stuck. Obwohl die Reihe mit zeitgenössischer Musik in München ein "Selbstläufer" ist, die Auslastung der großen und kleinen Konzerte bei 80 bis 90 Prozent liegt und es hier längst ein neugieriges Stammpublikum gibt, vermisst Zimmermann die Resonanz bundes- oder gar europaweit.

Anders als bei medienträchtigen Festival-Ballungen beschert die von Karl Amadeus Hartmann gegründete musica viva dem Publikum übers Jahr verstreut hochkarätig besetzte, vom Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks musizierte Avantgarde-Konzerte, die nur einmal stattfinden.

Zum Glück halten BR alpha (in Sendungen und auf DVD) und die Plattenfirma col legno (auf CD) Ereignisse der musica viva lebendig. Jetzt wurden Helmut Oehrings "Weit auseinander liegende Tage" auf DVD und eine Porträt-CD Wolfgang Rihms vorgestellt. Darüber hinaus präsentierte Zimmermann eine Nachlese zum vergangenen Hartmann-Jahr mit interessanten Beiträgen heutiger Komponisten.

Für die Zukunft schweben Zimmermann eine "Positionen"-Reihe für den Dialog mit Zeitgenossen (in der Stuck-Villa) und ein Austausch mit anderen ARD-Orchestern (SWR, WDR, NDR) vor. 15 Uraufführungen wird die neue Saison bringen: Direkt im ersten Abo-Konzert (Dezember) neue Werke von Michael Pelzel, der mit dem BMW Kompositionspreis der musica viva ausgezeichnet wurde, und Friedrich Cerha.

Es folgen neue Kompositionen aus aller Welt, von Jin-Ah Ahn (BMW-Preis), Wilhelm Killmayer, Anders Eliasson (koproduziert mit den Göteborger Symphonikern), Jocy de Oliveira, Samir O-deh-Tamimi, Carsten Hennig (BMW-Preis), Enno Poppe, Gerhard Stäbler, Mathias Spahlinger, Cynthia Lee Wong, Paul-Heinz Dittrich, James Tenney, Maria Cecilia Villanueva, Vykintas Baltakas. Daneben sind Bialas, Lachenmann, Staud, Rihm, Globokar, Sciarrino und Xenakis vertreten.

Am Pult der BR-Symphoniker stehen Arturo Tamayo, Franck Ollu, Martyn Brabbins, Peter Rundel, James Avery, Johannes Kalitzke und erstmals Christoph Poppen (Januar 2007).

In Zusammenarbeit mit dem Europäischen Zentrum der Künste in Hellerau stellen Stipendiaten im Juni 2007 eine musikalisch-szenische Produktion unter dem Titel "Passport" vor, die direkten Bezug zum Jahresthema "Das Eigene und das Fremde - Auf der Suche nach kultureller Identität" hat.

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