München leuchtet

- Das Gute zuerst: Am kommenden Montag lädt das Kulturforum der Münchner SPD zum Kulturstammtisch (19 Uhr) ins Künstlerhaus am Lenbachplatz. Das ist darum von vornherein schon als gut zu bewerten, weil diese Veranstaltung als ein Zeichen, als eine Art Versprechen zu sehen ist. An diesem Abend wird nämlich Münchens Oberbürgermeister Christian Ude den Intendanten des Münchner Volkstheaters, Christian Stückl, befragen.

<P>Und zwar zu folgenden Themen: Was eigentlich ist Volkstheater, wie beurteilt der Intendant seinen Saison-Start, und wie kann Münchens Theaterlandschaft in Zeiten knapper Kassen lebendig erhalten werden? Also über so viel öffentlich bekundete Unterstützung von Seiten des Stadtoberhaupts kann sich Stückl nur freuen, befindet er sich doch nach den ersten Monaten im Amt bereits in finanzieller Schieflage. Da dürfte ein warmes Versprechen vom ersten Mann der Stadt mit Aussicht auf Planungssicherheit gewiss gut tun.</P><P>Die Leidenschaft für das<BR>Recht aller auf Kunst fehlt</P><P>Das alles ehrt den OB, der sich bekanntermaßen gerade anschickt, Präsident des Deutschen Bühnenvereins zu werden, also Pate sein müsste eines jeden Theaters der Republik. An diesem Abend im Künstlerhaus wird er Flagge zeigen müssen. Was blüht der Münchner Kulturszene ab diesem Frühjahr? Was wird mit seiner Billigung verdorren mangels lebenswichtiger Finanzspritzen? </P><P>Womit wir bei der schlechten Nachricht sind: Am Donnerstag, 13. März, wird im Stadtrat das so genannte Feinkonzept 2003 der Haushaltskonsolidierung sowie das Grobkonzept 2004-2006 zur endgültigen Abstimmung vorgestellt. Es kann ja nicht oft genug gesagt werden: 18 368 800 Euro sind bis 2006 einzubringen. Und wie mit der großen Sense wird widerstandslos die Münchner Kulturlandschaft abgemäht.</P><P>Dass Stadtbibliotheken daran glauben müssen, dass zum Beispiel ein so bescheidenes, aber liebenswertes Traditionsunternehmen wie das Marionettentheater "Kleines Spiel" voraussichtlich den Sparmaßnahmen zum Opfer fallen wird, dass das Deutsche Theater noch immer infrage gestellt ist, dass die Galerieförderung gestrichen werden soll, dass die Kabarett- und Kleinkunstförderung eingestellt werden wird, dass Stadtmuseum und Lenbachhaus ihr Ausstellungsprogramm herunterfahren müssen, dass die Münchner Symphoniker zur Disposition stehen, dass die Eintrittspreise bei Philharmonikern und Kammerspielen drastisch erhöht werden, kurz: dass nicht mehr in die Zukunft investiert wird und niemand von Amts wegen da ist, der das demokratische Recht aller Bevölkerungsschichten auf Kultur mit ganzer Leidenschaft verteidigt - das alles ist eine Katastrophe.</P><P>Nichts lässt sich hier schön reden. Auch wenn wir gleichwohl der Meinung sind, dass - unabhängig von verordneter Sparerei - die eine oder andere Einrichtung durchaus auf den Prüfstand ihrer Existenz gehört. Aber: Der kulturelle Humus - und dazu zählen nicht elitäre Festivals und menschenferne Medienkunstexperimente - droht zur unfruchtbaren Wüste zu werden.</P><P>Da ist die vorläufige Existenzgarantie, die Christian Ude am Montag öffentlichkeitswirksam dem Volkstheater-Intendanten versprechen wird, nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Ein Deckmäntelchen der Nächstenliebe. Die Blöße aber, die sich die Kulturstadt München mit ihrem rigorosen Streichkonzert gibt, lässt sich damit nicht kaschieren. Diese Blöße strahlt durch alle Löcher. München leuchtet _ aber anders, als es sich sein Erfinder vorgestellt hat.<BR>Beim Kulturforum am Montag wird sich Oberbürgermeister Christian Ude mit dem Volkstheater-Intendanten Christian Stückl (hier im Zuschauerraum) unterhalten: Ein Versprechen, die Bühne trotz Geldmangels zu unterstützen.Foto: Oliver Bodmer <BR></P>

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