München ist Meer

München - Die Dokumentation „Keep Surfing“ porträtiert die Sportler im Eisbach.  Ein Film, der Augen öffnet und ein neues Bild der Stadt zeichnet.

Es gibt sie nur noch selten, diese Filme, die einem die Augen öffnen und den Blick auf Altbekanntes vollkommen verändern. „Keep Surfing“ ist so ein Film. Bis Regisseur Björn Richie Lob seine unbedingt sehenswerte, mitreißend fotografierte Dokumentation drehte, wurde die Stadt München gerne assoziiert mit einer leicht dimpfeligen Biergartengemütlichkeit, mit peinlicher Sauberkeit und ein bisschen Latte-Macchiato-Italien-Flair. Doch München ist viel mehr. Schließlich gibt es hier die perfekte Welle zum Surfen. Nicht vor Hawaii, Maui oder Australien, sondern mitten in München, am Eisbach im Englischen Garten, gibt es diese makellose Wasserstufe, von der Surfer auf der ganzen Welt schwärmen.

Diese spezielle Welle ist Hauptdarstellerin in einem sehr speziellen Kinodebüt. Lob hat sich für seinen ersten langen Film ein Thema ausgesucht, das ihm bestens vertraut ist. Denn der Regisseur gehört zur verschworenen Gemeinschaft, die sich täglich an der kleinen Brücke am Haus der Kunst einfindet, um die sagenhafte, unvergleichliche Welle zu reiten. Zehn Jahre lebt Lob bereits in München – natürlich kam er der Welle wegen her. Und er filmte von Anfang an seine Freunde am Eisbach ebenso wie die unzähligen Schaulustigen, die den Helden in Neopren bei ihrer riskanten Beschäftigung zuschauen. Denn gefährlich ist das, was dem Laien leicht und schwerelos erscheint, immer. Davon wissen Lobs Gesprächspartner, alle Mitglieder der eingeschworenen Eisbachclique, zu berichten. Nicht nur über die Anfänge des „Brettlfahrens“ hin zum heutigen Surfen oder von den Heldentaten und berühmten Stars, die um den Globus flogen, um die Welle zu reiten.

Deren Besonderheit, das erklärt „Keep Surfing“ sehr anschaulich, ist ihre Beständigkeit. An jedem Strand der Welt ist der Surfer der Natur ausgeliefert. Man wartet auf die Welle, manchmal tagelang. Die Münchner Welle dagegen ist immer da. Kraftvoll und einfach ideal. Lob porträtiert sechs Surfer in seiner mit spektakulären Aufnahmen angereicherten Langzeitstudie. Sie erzählen anschaulich von ihrem Leben und ihrer Leidenschaft. Und plötzlich ist München nicht mehr die Hauptstadt gut betuchter Cabriofahrer, sondern das weltoffene, entspannte, lässige Mekka der coolsten Surfer. (In München: Mathäser, Leopold, City, Monopol, Rio.)

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