1. Startseite
  2. Kultur

München: Literatur-Sprechstunden in der Monacensia

Erstellt:

Von: Teresa Grenzmann

Kommentare

Die Autorin Dana von Suffrin im Münchner Hildebrandhaus.
Zehn Minuten lang kann man mit Dana von Suffrin über Literatur reden. Zugleich kuratiert sie im Münchner Hildebrandhaus eine Veranstaltungsreihe. © Markus Götzfried

Die Monacensia in München hat das Literatur-Projekt „#SchreibResi“ gestartet. Wir sprachen mit der Autorin Dana von Suffrin, was sich dahinter verbirgt.

Ob das Interview auch länger als zehn Minuten dauern darf? „Natürlich!“, lacht Dana von Suffrin. In ihrem blitzblanken Büro im ersten Stock der Monacensia, wahlweise auch in deren Garten, empfängt die 1985 in München geborene und für ihr Romandebüt „Otto“ (2019) viel gelobte Autorin und Wissenschaftshistorikerin derzeit jeden, der mit ihr über Literatur sprechen möchte – für zehn Minuten. Im Gespräch verrät sie, was hinter dem Projekt „#SchreibResi“ und ihrer „Residency“ steckt.

„#SchreibResi“ ist die erste „Schreib-Residency“ der Monacensia – fühlen Sie sich geehrt?

Dana von Suffrin: Auf jeden Fall. Anke Buettner, die Leiterin der Monacensia, und ich haben das Konzept der „Residency“ seit diesem Frühjahr entwickelt. Da fühlt es sich toll an, die Erste zu sein.

Was bedeutet dieser Ort für Sie?

Dana von Suffrin: Ich lerne ihn immer besser kennen. Für mich ist es ein Ort des kulturellen Gedächtnisses in München, der aber gleichzeitig total offen ist: an dem es viel Raum für Experimente gibt, auch für humorvolle Geschichten. Und jetzt gibt es seit Mai auch die Cafébar Mona mit einem ganz ähnlichen Veranstaltungskonzept. Solche Orte, die zu-gleich etwas mit der Stadt zu tun haben, sind in München selten. Gerade durch diesen offiziellen Hintergrund finde ich es hier besonders schön.

Was alles umfasst Ihre „Residency“?

Dana von Suffrin: Sie heißt „#SchreibResi“, das heißt, das Schreiben ist ein ganz zentraler Teil, und dazu kuratiere ich ein Veranstaltungsprogramm. Zum ersten Termin hatten wir hier viele Gäste, etwa 90 Prozent, die vorher noch nie in der Monacensia gewesen waren.

Was sind das für Veranstaltungen?

Dana von Suffrin: Wir haben klassische Literaturveranstaltungen, dazu mit Lesungen verbundene Themenabende, zum Beispiel mit dem Hamburger Autor Sebastian Stuerz zu Coming-of-Age-Literatur. Dann freue ich mich sehr auf zwei Blogger aus München und Augsburg, Katharina Herrmann und Marius Müller, die sehr hochwertige, feuilletonhafte Buchblogs betreiben. Wir haben auch versucht, die Autoren etwas näher mit der Stadtgesellschaft zusammenzubringen. Dafür haben wir für einen Tag im September ein „Bankerlformat“ entwickelt, an dem vier Münchner Autorinnen und Autoren auf einer Bank sitzen, während Gäste sich zu ihnen setzen und fragen können, was sie möchten. Um den Kontakt zu erleichtern, soll es lockere Überthemen geben, zum Beispiel „München“.

Was hat es mit Ihrer „öffentlichen Sprechstunde“ auf sich?

Dana von Suffrin: Das ist ein zentraler Termin zweimal im Monat hier in der Monacensia. Wir haben immer ein sehr weit gefasstes Motto, und alle Leute, die Lust haben, sich mit mir über dieses Thema, aber auch über alles andere, was mit Schreiben und Literatur zu tun hat, zu unterhalten, sind herzlich eingeladen vorbeizukommen. Wir können über ihre Lieblingsbücher sprechen, aber natürlich auch über ihre Prosa-Projekte. Es waren schon Gäste da, die sich in München aus verschiedenen Gründen beruflich mit Literatur beschäftigen. Zehn Minuten sind für jedes Gespräch eingeplant, das heißt, es wäre gut, wenn die Leute vorbereitet sind und ganz konkrete Fragen mitbringen. Wenn wir eine konzentrierte Atmosphäre brauchen, bleiben wir im Büro, wir können uns aber auch ins Café oder draußen in den Garten setzen.

Reichen zehn Minuten, um jemanden, den man nicht kennt, mit seinem Anliegen zu erfassen, an die Hand zu nehmen und dann auch wieder loszulassen?

Dana von Suffrin: Ja, das ist wirklich schwierig. Ich gebe zu, dass manche der Gespräche auch drei Stunden gedauert haben. (Lacht.) Aber für viele Leute ist ja die größte Hürde, überhaupt erst mal jemand anderem etwas zu zeigen und darüber zu sprechen. Diese Hürde können wir in zehn Minuten nehmen.

Was bieten Sie den Leuten?

Dana von Suffrin: Das ist eine fiese Frage. Ich glaube, ich bin nicht in der Lage, jedes Problem zu lösen, und ich kann auch keine Verlage oder Agenturen suchen. Aber ich schreibe und lese sehr viel, deswegen habe ich einen halbprofessionellen Blick. Andererseits bin ich keine Lektorin, habe also auch noch einen dilettantischen Blick. Ich glaube, das ist in diesem Fall eine gute Kombination.

Apropos Buchprojekte: Wie ist denn Ihre eigene Arbeitsweise?

Dana von Suffrin: Normalerweise arbeite ich ab 22 Uhr, dann habe ich Ruhe. Gerade schreibe ich einen neuen deutsch-jüdischen Familienroman über eine Geschwisterbeziehung, da fange ich schon morgens an. Seit vielen Jahren schreibe ich eine Seite am Tag – das ist ein Trick, um die Angst vor dem leeren Blatt zu nehmen. Dadurch wachsen meine Texte natürlich recht schnell, aber noch ohne Struktur. Meine Arbeitsweise ist intuitiv und auch ziemlich chaotisch, aber ich habe gelernt, dass es nur so für mich funktioniert. Ganz lässt mich das Schreiben nie los, im Hinterkopf bin ich immer damit beschäftigt, immer auf der Suche.

Auch interessant

Kommentare