München und Montana

- Er malte bei den Fischern an der französischen Atlantikküste und bei den Schwarzfußindianern in Montana, in Norwegen und immer wieder auf Sylt oder am Ammersee, wo er von 1903 bis 1912 wohnte. Als er in den USA vom Krieg überrascht wurde, zog er sich 1916 mit seiner Frau auf eine abgelegene Farm in Wisconsin zurück: bis 1921. Julius Seyler (1873-1955) hatte als Eisschnellläufer so manche Meisterschaftsmedaille gewonnen, er siegte zudem als Ruderer und Segler. Seine Karriere als Maler begann an der Münchner Akademie und im Glaspalast, sie setzte sich fort seit 1907 in der Münchner Galerie Thannhauser.

<P></P><P>Obwohl er durch Bombenangriffe auf München einen Großteil seines Lebenswerks verlor, blieb noch viel für mancherlei Nachfrage. Sigrid Reisch (Kitzbühel) zeigt ihre Seyler-Sammlung jetzt in der Münchner Galerie der Bayerischen Landesbank. Die zuletzt 2001 mit einer Seyler-Schau hervorgetretene Galerie Maulberger, ebenfalls an der Brienner Straße, präsentiert "Menschenbildern".</P><P>Die Stärke der Sammlung Reisch liegt in den vielen skizzenhaften Studien aus dem Indianerreservat und den europäischen Küstenregionen, in einigen Landschaften und in spontanen Impressionen. Julius Seyler als Impressionisten zu bezeichnen, mag als nützlich erscheinen, wo andere Sammelbezeichnungen als Schubfach kaum griffig sind. Doch Seyler ließe sich ebenso als ein Maler im Sinn der französischen Fauves einordnen, als ein Überwinder des Impressionismus: mit seinem Blick auf den "heiligen Berg" der Indianer wie mit seinen Brandungsbildern aus Norwegen. Mit der Vehemenz seines Waldstücks "Der vereiste Crystal Creek" ist Seyler unzweifelhaft ein Expressionist. Die Ölstudie "Dorfstraße in Südfrankreich" ist weitgehend abstrahiert. Welche Entwicklungsschritte in kurzer Zeit zurückzulegen waren, zeigt eine Heinrich von Zügel zuliebe gemalte frühe "Kuh mit Hüterbub am Wasser".</P><P>Reinhard Müller-Mehlis</P><P>Bis 9. März, freier Eintritt; Katalog 20 Euro; Tel. 089/ 21712 68 27.</P>

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