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Igor Zelensky, der künftige Direktor des Bayerischen Staatsballetts. F: Tobias Hase/ dpa

Igor Zelensky

Neuer Chef beim Staatsballett: Die Besten der Besten

München - Igor Zelensky, der neue Chef des Staatsballetts, über Ziele, München und den Nachwuchs.

Am Bayerischen Staatsballett stehen große Einschnitte bevor. Igor Zelensky (46) ist von kommender Saison an neuer Direktor – und hat bereits jetzt in München für Aufregung gesorgt. Der Russe ist außerdem künstlerischer Leiter des Stanislavski-Balletts in Moskau. Zelensky lebt mit seiner Familie mittlerweile in München.

Es gab Unruhe. Tänzer, die das Ballett verlassen, gingen mit Kritik an die Öffentlichkeit.

Das ist im Theater immer so, egal wo, wenn ein neuer Chef kommt. Herr Liška ist 18 Jahre hier gewesen, natürlich ist es dann ein Einschnitt. Ich selbst war zehn Jahre Direktor der Compagnie von Nowosibirsk und gehe nun, auch mein Nachfolger ändert vieles. Diese Dinge muss man tun, wenn man neu an ein Haus kommt. Man muss sich selbst ja präsentieren.

Wie werden Sie das gestalten?

Ich habe in 14 verschiedenen Compagnien gearbeitet und Erfahrungen gesammelt. Diese möchte ich nun in München einbringen. Auch hier wird es darum gehen, der neuen Generation, die das Ballett heute prägt, Raum zu geben. 28 Tänzer aus der ganzen Welt werden nach München kommen. Wir werden die Namen Ende August bekannt geben. Jetzt geht es erst mal darum, uns kennen zu lernen und dass jeder seinen Platz findet. Das ist natürlich stressig für uns alle.

Harte Arbeit...

Ja, sicher. Ich werde die Tänzer selbst unterrichten – in der internationalen Sprache des Tanzes. Dadurch bekomme ich einen persönlicheren Draht zu den Künstlern. Ich muss das, was ich von ihnen will, selbst zeigen können. Das ist wirklich wichtig. Zum Glück habe ich die Stelle jetzt bekommen – und nicht auf meine alten Tage.

Was möchten Sie hier ändern?

Ich will den Erfolg der Compagnie verdoppeln. Wir müssen uns an die Struktur halten mit zwei Premieren im Jahr, aber das Wichtigste ist die Qualität. Ich werde an der Qualität des Tanzens gemessen, ob es klassisches oder modernes Ballett ist. Es ist eines der größten Opernhäuser Europas, und wir brauchen Top-Qualität.

Gibt es die jetzt noch nicht in München?

Man hat mich geholt, weil ich auf der ganzen Welt getanzt habe, weil ich in sehr vielen Compagnien gearbeitet habe, weil ich Visionen habe, weil ich etwas verändern soll und will. Ich will die Besten der Besten in dieses Haus holen. Ich sehe mich als Diener des Balletts. Ich glaube, wir brauchen in diesem Haus eine gute Balance aus klassischen und modernen Werken, so wie in den letzten Jahren.

Wenn Sie das Münchner Ballett mit anderen Compagnien vergleichen – wo sehen sie es?

In München. Diese kleine Stadt ist so ehrgeizig wie eine Mega-City wie New York, Paris oder London. München hat eines der besten Opernhäuser Europas aufgebaut, und meine Aufgabe als Ballettdirektor ist es, hart dafür zu arbeiten, dass das Ballett das gleiche Niveau hat.

Irène Lejeune, die wichtigste private Sponsorin des Staatsballetts, hat ihre Zahlungen aus Protest gegen die neue Führung eingestellt. Trifft Sie das?

Es ist schade. Sie liebt das Ballett und ist eine enge Freundin von Liška. Das Geld reicht nie. Je mehr Geld, desto mehr Projekte, desto mehr kreativer Spielraum. Dann könnten wir vielleicht drei Premieren im Jahr machen.

Ist das Ihr Ziel?

Das ist eines meiner Ziele. Ein anderes besteht darin, mehr Kindern die Möglichkeit zu geben, sich hier zu entwickeln. Wenn wir eine gute Schule haben, müssen wir nicht mehr auf der ganzen Welt nach Tänzern suchen.

Lejeune hat ihren Rückzug aus dem Sponsoring damit begründet, dass sie Angst hat, in München könne ein russisches Staatsballett entstehen.

Als ich von New York nach Sibirien gegangen bin und all die Lehrer aus den USA mitgebracht habe, haben alle Leute entsetzt aufgeschrien, weil sie Angst vor einer amerikanischen Compagnie hatten. Als ich nach Moskau ging und britische Choreografen mitgebracht habe – das Gleiche. Wir denken global, aber wir leben lokal. Wir hatten 1000 Bewerbungen, 700 davon haben wir angeschaut, 400 davon eingeladen – und sechs davon eingestellt. Sie sehen also, wie schwierig das ist. Darum ist es so wichtig, dass wir eine gute Schule etablieren und sicherstellen, dass es der Direktor, der nach mir kommt, leichter haben wird als ich. John Neumeier oder Stuttgart haben dieses Problem nicht, weil es dort eigene, starke Schulen gibt. Ich sage nicht, dass die Akademie in München schlecht ist – keinesfalls.

Britta Schultejans

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